 Shakespeare und das Alles verbunden
und verquickt durch das Eine: Gott ist die Liebe! Was konnte es heute
Befruchtenderes, Anregenderes, Schlagenderes für die »kleinen Zirkel« und jenen
eigentümlichen Geist der Romantik geben, der die Schicksale dieses Staates und
durch ihn einen Teil Deutschlands regierte!
    Anfangs versuchte die allgewaltige Dame zu Siegbert's größter Spannung, das
Gespräch auf die schwebende Johanniterverlassenschaftsfrage zu lenken; da aber
Niemand darüber unterrichtet schien und Siegbert von seinem Bruder damals im
Pelikan doch noch viel zu wenig darüber erfahren hatte, wie sehr er selbst daran
beteiligt war, so ging die Oberhofmeisterin, um das Gespräch zu einem endlichen
Schluße zu führen, zu einem allgemeinen staatspolitischen Seufzer über, des
Inhalts:
    O eine Idee, die die ganze Welt erquickt! Nur ein Wort des Friedens in
diesen Hass und diesen Hader! Wer wird dies Evangelium bringen, das allem Kampf
der Parteien ein Ende machte und die Erde in einen Wohnplatz von Menschen
umwandelt, die nur dem erlaubten Genuss der irdischen Güter und der Bildung ihres
Herzens als Vorbereitung künftiger Seligkeit leben! Sie glauben nicht, meine
Liebe, (sie wandte sich an Anna), wie man bei Hofe nach Erlösung von diesem
Jammer, der über unsere Erde verhängt scheint, schmachtet! Wo man auch nur in
seinem redlichsten Eifer etwas unternimmt, was jetzt dem Werte des Ganzen
dienen soll, sogleich muss man bei jedem Schritt, den man wagt, um zu einem guten
Ziele zu kommen, hören, dass man Andre verletzt hätte! Ach, nicht vor- und nicht
rückwärts ist ein Weg mehr zu finden.
    Glauben Sie mir, liebe Frau von Harder, dass die Menschen wohl glücklich sind,
die die Seele in den Blumen oder in den Tieren suchen! Ach! Auch Sie haben ja
viel gelitten.. Liebe!
    Frau Gräfin! war Alles, was Anna von Harder fast ablehnend und die Augen
niederschlagend auf diese etwas zudringliche Freundschaftsanerbietung erwiderte
...
    Die Königin, sagte die Altenwyl, nimmt so vielen Anteil an Ihnen! Gibt es
nichts, was Sie der hohen Frau näher führen könnte? O sie hat ein treues Herz.
Kennte die Nation nur alle diese Menschen da oben!
    Gnädigste Gräfin! sagte Anna. Mein Leben ist zu dürftig für den Glanz des
Hofes. Was soll ich dort! Ich pflege meinen alten Zauberer von Tempelheide, lese
ihm aus Büchern, wie er sie liebt, vor, sticke, wenn es mein Auge erlaubt, und
treibe etwas Musik. In der Musik hab' ich Alles hinübergeleitet, was in mir noch
sich regen, aussprechen, ja auch sich hingeben möchte. In der Musik lach' ich,
in der Musik wein' ich. Auf den Tönen Gluck's und Händel
