 gegen drei Uhr zu
Grüns gehen, wo er den Bruder zu finden gewiss zu sein glaubte.
    Das behagliche Gefühl, mit dem er den Augenblicken des traulichen
Beisammenseins entgegen harrte, war ein wenig gestört worden. Das Gespräch war
zu aufregend, zu beunruhigend für sein innerstes Gefühl gewesen. Er hatte einen
so edlen, sittlichen Takt in allen Dingen ... Man hatte wieder von Melanie
gesprochen und wusste doch, dass er sie liebte. Man hatte mit der Einladung zu der
vornehmen Frau von Harder so laut geprahlt. Ja selbst dass Leidenfrost, der ihm
seit kurzem erst sympatischer wurde, seine eigne Kunst so blindlings verwarf
und dabei so streng, ja vielleicht eitel sein konnte, ihm vor den Augen einen
Stoff, den er eben behandelte, anders zu gestalten, als er ihn sich gedacht
hatte, das Alles war doch für sein weiches, offenes Herz eine nagende Pein ...
    Als er Leidenfrost's Skizze betrachtete und ihre Schönheit wiederholt
anerkennen musste, ging er noch weiter und hatte sich gesagt:
    Wie, wenn der strenge Freund dich nur erziehen, zum Tieferen und
Anschauungsreicheren zwingen wollte? Machst du dir dein Schaffen nicht zu
leicht? Denkst du genug über Das, was zu existieren würdig ist, nach und stehst
du ganz auf der titanischen Höhe der Bildung, mit der man jetzt die großen
Meister schaffen sieht?
    Tiefe Bekümmernis, ja Mutlosigkeit hatte ihn überfallen, als er dieser
Gedankenreihe weiter nachdachte. Es war ihm vorgekommen, als hätte er alle
Teile der Kunst in seiner Hand und zu den mechanischen Fertigkeiten fehlte ihm
doch noch das geistige, sie zusammenhaltende Band. In tiefster Verstimmung hatte
er auf seine Skizze zurückgeblickt und siehe da!.. plötzlich wusste er nicht, wie
sie ihn doch wieder so ermutigend, so neubelebend ansprach ... Es war der Geist
der Ruhe, der in ihr waltete, eine Ruhe, die in Leidenfrost's Andeutungen
fehlte. Jene regten auf, seine Zeichnung füllte ihn mit lindem Trost, erquickte
ihn! Die Gestalt des Heilands, die dort fehlte, übte gerade hier den Zauber der
Erhebung und der wunderbarsten Stärkung. Auf's neue tauchte er den Pinsel in die
zarten Aquarellfarben und begann mit jener eigenen gebundenen Wärme, aus der
allein der Künstler und Dichter Andre Erwärmendes schaffen kann, sein
bescheidenes, einfaches und sinniges Werk weiter fortzuführen.
    So in Gedanken, so in stilles, heiliges Schaffen war er verloren, dass er
kaum aufsehen mochte, als er Jemanden an die Tür klopfen, dann eintreten hörte.
Mit zaghaften, knarrenden Tritten nahte sich ein Besuch. Es war jener Franzose,
den wir im Vorzimmer des Prinzen Egon gesehen hatten, Louis Armand, der
Kunsttischler und Vergolder.
    Siegbert erschrak über Armand
