 Anarchie der Production überhoben sein und Das malen,
dichten, meisseln, componiren, was die Zeit wirklich will und was sich für das
Allgemeine und die Würde der Kunst schickt.
    Ein wahres Wort! mischte sich jetzt wieder Leidenfrost beistimmend ein. Ja!
Wildungen, Sie sind auch so ein Nicodemus, der nur manchmal bei Nacht in den Hof
der Wahrheit kommt! Sie wissen das Bessere und handeln nicht immer danach, von
Heinrichson und seinem alten mytologischen Schwäne-Kram und Reichmeier's
Melodramen-Malerei ganz zu schweigen! Ich habe Sie gestern mit Champagner
gelabt, ich darf Ihnen heute Wermut reichen. Wenn Ihr wahr sein wollt, gibt es
eigentlich keine ideale Malerei mehr, es gibt nur noch Landschaften, Jagdstücke,
Portraits und auch die sind schon verdrängt durch die Lichtbildnerei. Die wahre
Bestimmung der neueren Malerei ist Zimmerschmuck, und in allen andern
Bestimmungen erblick' ich nur Krücken, auf denen sie notdürftig so
dahinhumpelt! Kirchengemälde! Wer baut denn Kirchen aus Kirchendrang? Sind denn
Kirchen nötig? Schmelzen nicht alle Gemeinden der positiven Staatskirche so
zusammen, dass sie in einem mäßigen Saale Platz hätten? Und die Dissidenten, die
Sektirer, die eigentlich Frommen wollen keine Bilder. Um die paar Kirchen, die
der Gustav Adolf-Verein bauen lässt, wird man doch nicht sagen, dass noch das
Kirchenbauen an der Zeit ist! Kornelius mit seinem ganzen jüngsten Gericht ist
eine alte Reliquie von Anno Schwartenleder. Da sind wohl mehr Gedanken sichtbar
als bei Rubens mit seinen dicken zu Gnaden angenommenen Blondinen und den alten
wasserbäuchigen Sündern, die von den Teufeln gepiesackt werden; ja, Kornelius
hat Kohlrauschen's deutsche Geschichte gelesen und weiß, wer Segestes war und
Rubens hat nicht den Kohlrausch gelesen ... aber die ganze Geschichte mit den
jüngsten Gerichten und den Posaunenengeln und den Zornschalen ist alte
Schweinsschwarte. Die Narrenspossen! Und nun Gott Vater, Gott Sohn, Gott der
heilige Geist und solches bunte Farben-Gepinsel mehr! Sind denn Ruhmeshallen an
der Zeit? Was ist denn Ruhm? Ein König setzt sich zu Gericht und sagt, was Ruhm
ist! Ich will ein Volk sehen, das seine Kränze durch millionenfache Acclamation
austeilt und was erleb' ich, Den, den ein paar Tausend bewundern, wollen ein
anderes paar Tausend mit Kot bewerfen! Ehe nicht unsre ganze Gesellschaft
geändert ist, ehe nicht die Herrschaft des Volkes entschieden hat, was
heutzutage noch die Schultern des Menschen tragen, seine Hirnfasern glauben
können, ist alle Kunstpflege Spittalsuppe. Der tut fromm und mischt seine
Farben statt in Öl in Tränenwasser der Andacht, wie Sanct Fiesole; der malt
lange Hünen und ausgereckte Recken, die Cuvier zu Mammutszusammensetzungen
hätte benutzen können, zu präadamitischen Zeuglodons; der liebäugelt mit dem
allgemeinen
