
Nehmen Sie doch nur unsern eignen Fall! Ich gelte für einen Mann vom
conservativsten Wasser und bin es und predige in diesem Geiste. Die ältere Zeit,
die nun vorüber sein soll, erlaubte, dass eine gewisse Kirchlichkeit bei allen
öffentlichen Angelegenheiten bescheiden mitsprechen durfte. Die Periode ist
vorüber. Ich mache teoretisch für die Kirche nichts, gar nichts geltend, als
einen gewissen Einfluss auf die Stimmung der Gemüter, aber um diesen zu
behalten, kann man da ruhig ertragen, dass in diesem politischen Wirrwarr jede
höhere geistige Frage als nebensächlich betrachtet wird und die Ministerien,
wenn sie's nicht mit der innern Missionswühlerei halten, rein nur noch
Triebräder der gedankenlosesten Geschäftsroutine werden? Diese übermäßige
Verweltlichung erzeugt eine Isolirung der geistigen und geistlichen Interessen,
die so nicht fortdauern kann. Das absolut constitutionelle System ist der Tod
der Menschheit. Die leersten, erbärmlichsten Dinge werden auf die Ordnung des
Tages gesetzt: alles Große vergangener Zeiten gilt für nichts mehr in diesen
Kammern, wo Bauern, Pächter, Schreiber, Gastwirte über das Staatsleben zu
Gerichte sitzen. Was sind wir denn noch? Was gelten wir denn noch? Soll die
Geistlichkeit nur Bibeln austeilen, nur Magdalenenstifte besuchen und sich mit
dem Kehricht der Menschheit befassen? Nein, mein Freund, mag man von den
Jesuiten sagen was man will, sie haben sich die Aufgabe gestellt, die geistige
Herrschaft der Kirche aufrecht zu erhalten und den Menschen als Menschen zu
retten, ihn nicht im Staate, im Betkämmerlein oder irgend einer andern
Gemeinschaft mit Gott oder der Welt zu Grunde gehen zu lassen, und wenn der
dumme Reubund auf eine solche tiefe Idee sich hätte erbauen können, dann wäre
etwas mit ihm geworden, während er jetzt die Stelle der Heiratsbureaux vertritt
und die Politik nur verwirrt, statt vereinfacht.
    Schlurck wich von dieser Auffassung unstreitig sehr ab. Doch gehörte es zu
seiner Art, dass er jedesmal, wenn er Jemanden von einer Idee recht warm erfasst,
ja flammend durchglüht sah, sogleich aufhörte sie zu bekämpfen. Denn er wusste,
dass ein solcher Kampf dann vergebens ist; ja er scheute sich sogar vor Allem,
was zu ernst und zu schwer auftrat, und so begnügte er sich auch hier mit den
einfachen Worten:
    Sehr wahr! Sehr wahr!
    Gelbsattel, nun einmal im Zuge, fuhr, durch die scheinbare Zustimmung
ermutigt, fort:
    Welche Anmassung dieses herzlosen, kaufmännischen Ministeriums, das wir jetzt
halten und gegen die Demokratie schützen sollen, der Prozess, den Sie für die
Stadt führen! Man macht Ansprüche geltend, als handelte es sich um einen alten,
durch Böswilligkeit oder Nepotismus unbezahlt gebliebenen Steuerrest! Immer nur
der Staat! Immer nur dieses gefrässige Ungetüm, das seine tausend Polypenarme,
die wiederum mit tausend Saugwarzen bewaffnet
