 aller seiner Sinne so gedankenlos auf seinem Tische liegen
lassen, dies wunderbar gerettete Bindeglied zwischen ihm und so vielen Menschen,
die er noch heute sich eilen wollte, als wirkliche Menschen und keine wesenlosen
Schatten zu erkennen ...
    Wie er mit dem Portrait, das er noch an der alten Stelle fand, drinnen
rumorte, um es wegzulegen, rief Siegbert zu ihm hinein:
    Welch' alten Zopf hast du denn da auf einem Trödel erstanden? Oder ist das
vielleicht eine Schwiegermutter, die du irgendwo auf der Reise erabenteuert
hast? Hübsch muss in diesem Falle die Tochter sein, aber ich wünschte, dass sie
einen bessern Maler fände als einst die Mama.
    Mein lieber Bruder, sagte Dankmar und legte drinnen das Bild in eine
wacklige nicht verschliessbare Kommode; an diesem Zopfe hängt das Schicksal eines
Fürstentums. Auch Das ist eine Neuigkeit, die, jetzt schon aufgeklärt, lange
nicht so überraschend ist als im Zusammenhange meiner ganzen Geschichte. Sage
mir ferner lieber, wie es dir inzwischen ergangen und welche bösen Geister dich
verführt haben, Nachts um zwölf Uhr nach Hause zu kommen. Hat dich Leidenfrost
wirklich zum Mitglied seines Klubs gemacht, hältst du Reden oder hörst du
welche?
    Manches der Art! antwortete Siegbert, der sich bescheiden musste, seine
Neugier über des Bruders Abenteuer, besonders über eine etwaige Bekanntschaft
mit Melanie Schlurck gezügelt zu sehen. Ja, Freund, ich bin auf dem besten Wege,
in Untersuchung gezogen zu werden.
    Dankmar erschrak.
    Wie? fragte er. Mein besonnener Siegbert macht Torheiten? Du weißt, ich bin
dafür, dass man links, aber nicht linkisch ist! Unser gewöhnliches Klubwesen ist
das Grab der Freiheit, nicht ihre Wiege.
    Befürchte nichts, Dankmar, sagte der Bruder lächelnd, meine Unternehmungen
auf diesem Gebiete sind sehr friedlicher Natur! Auch ist Das, was aus meinem
nächtlichen Ausbleiben sich noch allenfalls entwickeln könnte, erst im Entstehen
begriffen und kann mit deinem Urteile stehen oder fallen. Vorläufig sag' ich
dir nur, dass ich in diesen Tagen deiner Abwesenheit zwei Menschen gefunden habe,
die sich inniger als jemals Andre an mich angeschlossen haben und von denen es
mich glücklich machen würde, wenn sie auch dir gefielen.
    Um des vierblättrigen Kleeblatts willen, sei's! sagte Dankmar. Aber auf
einem und demselben Stengel müssen wir sitzen, sonst werd' ich auf deine neuen
Freunde eifersüchtig. Wer sind sie denn?
    Dankmar wurde hier von Frau Schievelbein unterbrochen, die den Augenblick,
wo die Brüder mit dem Frühstück fertig waren, belauscht zu haben schien. Sie
kam, teils ein Urteil über ihre Anschaffungen zu vernehmen, teils die Kleider
hinzubreiten, die sie geputzt hatte. Auch die Stiefeln gehörten, da sie es so
dringend wünschte,
