 darüber auf!
    Meine Gnädige, sagte Schlurck, wir leben im Zeitalter der Konfusionen. Was
der Körper begehrt, darüber scheint unser Jahrhundert einig zu sein. Dass der
Magen in den materiellen Fragen die Hauptrolle spielt, haben die Proletarier
sowohl wie die äußersten Austernesser hinlänglich entschieden und man kann von
diesem Standpunkte dem Kampfe ruhig zusehen. Es ist ein Kampf der
Verdauungsorgane. Siegen Die, die nur Brot haben wollen, d.h. Brot im weitesten
Sinne, als da sind: Trüffeln, Austern und Seefische (denn Das ist der ganze
Sehnsuchtsjammer auch Derer, die nur Brot! Brot! schreien), so werden sich ihrer
so viele wieder den Magen verderben, dass Brot, einfaches Brot, eine Delicatesse
wird und wir da ankommen, wo wir ausgegangen ...
    Das ist die materielle Frage, sagte Pauline, aber auf die Materie folgt ...
    Das Herz! sagte Schlurck galant und doch ausweichend. Was das Herz anlangt,
meine Gnädigste, so ist das Ihr Kapitel! Die Verfasserin der Amaranta - wissen
Sie, dass ich altbackner Mensch aus dem empfindsamen Zeitalter von Hölty und
Mattison dies Meisterwerk immer noch nicht gelesen habe?
    Sehr Unrecht von Ihnen, Justizrat!
    Aber Nadasdi hab' ich gelesen, schaltete Schlurck pfiffig ein und runzelte
damit Paulinen die Stirn.
    Alte Sünden, sagte sie, längst vergeben!
    Nein, meine Beste, bemerkte Schlurck, Nadasdi las ich, weil ihn Alle
verurteilten, Amaranta nicht, denn die priesen Alle. Der gute Advokat nimmt
sich immer des Bedrängten an; so zog's mich zu dem schönen Ungar, der mich ganz
gut unterhalten hat. Und wissen Sie warum? Weil ich darin eine Frau fand, die
sich in nichts als Frau verleugnen konnte und ganz meisterhaft nach der Natur
copirt war, nämlich die Verfasserin selbst.
    Pauline wollte entgegnen und abbrechen ...
    Erlauben Sie, sagte Schlurck. Ich habe eine große Bibliothek und gelte für
einen Literaturfreund. Allein ich sammle und steigere meist auf die Werke, die
die berühmten Autoren gern von sich verstecken möchten. Die allgefeierten
Schriften belehren mich lange nicht so wie die mislungenen. Und ohne nun sagen
zu wollen, Nadasdi wäre mislungen -
    Sie haben keine Zeit, sagten Sie, und spotten so behaglich? bemerkte Pauline
und drohte mit dem Finger -
    Ohne sagen zu wollen, wiederholte Schlurck sehr nachdrücklich, Nadasdi wäre
mislungen, so fehlt ihm gerade deshalb die künstlerische Abrundung, weil Sie
zuviel von sich selbst gegeben haben. In der Amaranta hör' ich, dass Sie,
schlimme Frau, Andere geschildert haben - Andere kenn' ich genug - die Familie
der Andern, ach, die ist so groß! Aber Sie, Sie in Ihrer Unruhe, Ihrer
Sehnsucht
