 befördern? Da flucht ein Rittergutsbesitzer der Umgegend hier über die
Demokraten und unterschreibt sich groß und breit mit seinem ganzen Major außer
Diensten und allen Kreuzen, deren Inhaber und Ritter er ist. Aber wir Alle
wissen, dass dieser Herr Vom Busche neulich die Dreistigkeit hatte, an den König
zu schreiben, seine Tochter müsste doch nun wohl auch das Pianoforte lernen, er
könnte ihr, da er fünf Kinder hätte, kein Instrument kaufen, ob sein
allergnädigster Fürst und Herr nicht die Gnade haben wollte und ihm für seine
treuen Dienste -
    Ein Pianoforte kaufen? sagte Dankmar, zornglühend, und setzte hinzu:
    Und ich glaube fast, dass der Mann das Pianoforte bekommen wird?
    Er hat es schon, sagte Justus. Ja, ja, die Geheimnisse unserer fürstlichen
Chatoulle gäben das unterhaltendste Buch, das einem hamburger Buchhändler nur
könnte verboten werden ...
    O, rief Dankmar, müsste den König nicht Zorn, ja Scham ergreifen, wenn er
sähe, worauf er die Behauptung seiner Vorrechte gründet, wenn man solche
Adressen schreibt und schreiben lässt! Sind es denn freie, unabhängige Menschen,
die da mit sich selbst beschränkendem, lohndienerischem Verstande seiner Gewalt
zustimmen? Nein, es sind Die, denen die alte Ordnung der Dinge Vorteile
brachte, die sie bei der neuen zu verlieren fürchten. Die Demokratie mag viel
zügellose Elemente in sich hegen und manchen verdächtigen Ansprüchen einen
schimmernden Namen geben, aber so auf die Lüge gebaut ist sie nicht, wie bei uns
die Verteidigung des alten beschränkten Landeskinder-Gehorsams. Menschen, die
nie einen andern Blick in die Zukunft warfen, als der bis zu ihrem nächsten
Gehaltstage oder bis zu ihrem Avancement reichte, geben sich plötzlich das
Ansehen, politische Gedanken zu haben und wollen den Thron befestigen, indem sie
ihn auf ihren eigenen Egoismus bauen! Hätte sich das Regiment bei uns wirklich
geändert, auch dieser Major Vom Busche würde sich verändert haben und sein
Pianoforte von dem Tribunen oder Dictator erbetteln, der ihm gerade dem
Staatsschatze am nächsten sitzend erscheint ...
    Hoffentlich bei Denen ohne Erfolg! sagte der Heidekrüger etwas spitz.
    Und darum, fuhr Dankmar ungehindert fort, dass solche Zumutungen, solche
Misbräuche nur bei der gegenwärtigen Form der Regierung, ihren militairischen
Erinnerungen und ihrem patriarchalischen Verwachsensein mit dem Dünkel der
isolirten Nationalität möglich sind, darum soll das Bessere, Vernunftgemässere
gefährlich und verderblich sein? Den Schmarotzern am Tische der Monarchie allein
ist es verderblich und darum auch der Monarchie selbst gefährlich. Können sich
Throne auf die Länge behaupten, die auf den Egoismus einzelner träger Klassen
gebaut sind? Wird man nicht endlich einsehen, dass, wie die Schrift sagt, die
Lüge der Leute Verderben ist und jedes Königshaus entweder der Republik oder
einer radicalen monarchischen Verjüngung weichen muss,
