 zu denken, wo ein Mensch lebt,
der Tiere wie Wesen höherer Art behandelt ....
    Der alte Herr, erklärte Dankmar, unbefangen über Egon, der schwerlich in
Paris soviel vom Leben dieser Residenz hatte erfahren können; der alte Herr ist
ein ausgezeichneter Jurist und wird wohl nie von seinem wichtigen Amte
zurücktreten. Er arbeitet fleißiger als mancher Jüngere. Man hält ihn für streng
und Viele behaupten, er ist es deshalb, weil er keine Religion hätte. Man will
ihn noch nie in einer Kirche gesehen haben und doch erzählte man mir, dass er der
Chef aller Maurerlogen des Landes ist und für einen tiefen Kenner der
maurerischen Geheimnisse gilt ...
    Ich sage Ihnen, ergänzte Melanie, dass ich diesen alten Mann liebe und
bewundere.
    Wie seinen Sohn! fiel Lasally spottend ein und wiederholte die Scherze, die
er über die Tierseele des Intendanten in der großen Welt gehört hatte.
    Ich lasse nichts auf meine Excellenz kommen, fiel Melanie ein. Ich gebe Euch
allerdings zu, man kann ein sehr geistreicher Vater sein und einen höchst dummen
Sohn haben. Beispiele finden sich genug. Es gibt auch Viele, die regelmäßig, um
diesen Satz zu beweisen, den alten Harder und unsern Intendanten citiren. Ich
gebe sogar zu, dass ein Sohn seine eigenen Wege wandelt und von einem Vater
aufgegeben wird, wenn er sich in Äußerlichkeiten und Eitelkeiten gefällt. Aber
wer sagt Euch denn, dass mein so rasch, so wunderbar gewonnener Freund dumm ist?
Im Gegenteil leuchtet aus seinen schwarzen Augen Klugheit und mitunter etwas
Pfiffiges. Er geht seinen geraden Weg, weicht nicht rechts, nicht links, tut,
was seine Pflicht und Schuldigkeit ist. Ist Das nicht Weisheit? Und hat er nicht
vom Vater die Talente geerbt, die den Fürsten bestimmten, ihm alle seine
kostbaren Schlösser und herrlichen Gärten anzuvertrauen? Hat er nicht beim
Verpacken des Mobiliars eine Umsicht und praktische Kunde verraten, die eines
Tapeziers würdig war? Und bei seinen Wanderungen durch den hohenberger Garten
bin ich erstaunt gewesen, wie heimisch er in Allem ist, was sich auf Giesskanne
und Rechen bezieht. Es ist eine praktische Natur, die vom Vater zwar nicht
seinen speculativen Geist erbte, aber seinen Adel, sein Geld, seinen hohen,
geachteten Namen und eine gewisse Betriebsamkeit, die sich bei Jenem in der
Liebhaberei für die Seele der Tiere und bei diesem in der Pflege der toten
Natur äußert. Berühren Sie bei der jungen Excellenz irgend einen in ihr Fach
einschlagenden Gegenstand und Sie werden erstaunen, dass er Ihnen auf Heller und
Pfennig sagen kann, wieviel ein chinesischer Pavillon in einem königlichen
Garten am Rhein oder der Elbe gekostet hat. Ist Das auch nichts? Lasally, Sie
schlechter Rechnenmeister! Sehen Sie nur,
