 und weit entfernt, zu klagen und sich in Betrachtungen zu
verlieren, wie das Alles hätte möglich sein können, rührt ein entschlossener
Geist die ihm zugebotestehenden irdischen Hände, kämpft sich durch die
Schreckbilder eitler Erwägungen hindurch und beginnt oft von einem solchen
schwierigen und aufgabenreichen Tage den Abschnitt eines neuen Lebens.
    Dankmar, ein freier Naturmensch, war noch keineswegs ein fertiger
abgeschlossener Charakter. Er fühlte zu oft noch, dass immer wieder neue
Erfahrungen an seinen Gesichtspunkten rüttelten, neue Bekanntschaften, neue
Tatsachen ihn ganz aus seinem gewohnten Gleichgewichte werfen konnten. Aber bis
zu der Einwurzelung hatte er es denn doch schon gebracht, dass er nicht mehr von
jedem Eindrucke, der ihm unvorbereitet kam, sogleich willenlos hin und her
geschleudert wurde.
    Während Siegbert mehr ein Gemüts- und Phantasieleben führte, hatte Dankmar
die tatkräftige und verständige Richtung seines Innern vorzugsweise schon
entwickelt und sich in ziemlich sichern Grundzügen seine etwanige künftige
Laufbahn entworfen. Er liebte das Recht, dessen Studium und Praxis er sich zur
Lebensaufgabe gewählt hatte, er liebte es auch an und für sich selbst. Er hatte
schon als Kind einen leidenschaftlichen Trieb zur Gerechtigkeit und konnte
Denen, die seinen für Das, was ihm wahr schien, aufflammenden Eifer
misverstanden, heftig, ja gewalttätig erscheinen. Er scheute schon als Knabe
keine Gefahr, wo ihn das Bewusstsein einer richtigen Handlungsweise, einer
Ausgleichung fremder Unbill begeisterte. So war er auf der Universität nicht nur
oft in Zweikämpfe verwickelt, die er ohne Tollkühnheit mit besonnenem Mute
bestand, sondern noch weit öfter Zeuge und Vermittler fremder Ehrenhändel und
nicht selten Schiedsrichter in Streitfragen, wo er den Ausbruch einer übereilten
Berufung an die Waffen hintertrieb. Sein männliches Wesen gewann ihm alle
Herzen. Bei jedem Anlass, wo verschiedene Ansichten sozusagen grell aufeinander
platzten, wählte man ihn zum Vorsitzer der Debatte. Er hatte überall die
angenehme Genugtuung, dass sich ihm die tüchtigsten Menschen unterordneten,
worüber er nicht um seinetwillen, sondern um der Sache selbst willen Freude
empfand. Bunten Seifenblasen lief er nicht nach. Er ließ das süße Geschäft des
Träumens seinem weichern Bruder.
    Dennoch verwarf darum Dankmar Siegbert's Richtung noch nicht. Er hielt hier
eine männliche Befruchtung, dort eine weibliche Empfangnahme in allen Geistern
für notwendig; denn die Geister, sagte er, haben kein Geschlecht. Für sich
selbst aber behielt er Das als Richtschnur, was seinem Wesen entsprach. Er
scherzte oft tändelnd ohne gedankenlos zu werden, er spottete ohne zu verwunden.
Im Übrigen hielt er sich in seinem gewohnten Ernste, den er gefällig, leicht,
ohne Kopfhängerei zur Schau trug. Unterstützt von einer sehr edlen Gestalt, die
sichtbar die Kraft und Fülle einer unverdorbenen Jugend ansichtrug, hätte er in
der Welt großes Glück machen müssen, wenn ihn nicht die spärlich zugemessenen
