 allerdings genug, die der Zeit entrinnen wollen und
lieber einer vom classischen Wind bewegten bunten Federflocke nachirren, als dem
Jahrhundert, das sie hassen; allein mit diesen mag ich nicht reden. Ich will es
mit Denen, die ihrer Zeit vertrauen, Hoffnungen auf sie setzen und die da sagen:
Eine Nacht, um ein zweckloses Märchen zu hören, die hab' ich nicht, aber tausend
und eine Nacht, die hätt' ich und schenke sie Dem, der sie im Scherze lehrend
auszufüllen versteht!
    Wohlan denn, Du wunderlicher Heiliger, ich halte Dich beim Wort! Ich sage
Dir im Vertrauen, dass eine Nacht und ein Märchen mich selbst, den Erzähler,
nicht befriedigen würden. Und erzählt' ich Dir das sinnigste und Arabiens
würdigste Märchen, ich selbst würde in unsern sternenlosen Nächten dessen nicht
froh, und wo dem Schöpfer nicht wohl wurde bei einem Werke, da kann's dem
Beschauer ewig nur weh sein. Schönheit ist ja Ruhe; Ruhe des Gemüts quillt in
den Betrachter vom befriedigten Schöpfer, und der Schöpfer, der hier dies
vielleicht übervoll aufgeschossene Werk Dir vorlegt, diesen endlos scheinenden
Park mit Seen und Brücken und Wasserfällen, gesteht aufrichtig, dass er jenen
einzigen Wassertropfen, der jetzt die ganze Welt abspiegelte, nicht hat finden
können. Er weiß wohl, es gibt Dichter, die mit einem Wassertropfen die Welt
abspiegeln; und noch mehr solche, die glauben, diesen Wassertropfen zu besitzen.
Er ging auch hinaus vor's Tor und nahm von der Flur einen Tautropfen, der
glänzte in der Sonne - grün - aber die Welt ist blau. Ein anderer glänzte blau -
aber die Welt ist rot. Ein dritter glänzte gelb und grün, und die Welt
schillert jetzt in allen Farben. Es ist nichts mehr mit dem Tautropfen, dachte
er. Es muss mehr sein und etwas Anderes, wenn auch noch keine Douche und noch
kein Regenbad.
    Macht ihr Geschichte, dachte er, wir wollen Romane schreiben.
    Er dachte an die Geschichtsmacher von heute, die aus dem Staube der Ruinen
neue Tempel bauen wollen. Er dachte an die Flicker und Leimer, in deren Hände
die Organisationen geraten sind, und die uns nachgerade die Lust genommen
haben, nur notdürftig auf ihre Bauplätze zu blicken, mögen sie nun in Paris,
Rom, Wien, Berlin oder in Gota und Erfurt liegen. Baut ihr und flickt an den
alten Welten, wir wollen neue bauen, wenigstens in der Idee. Jeder große Münster
hat anfangs sein kleines Modell. Die alten Erbauer, wenn sie ein Denkmal
bekamen, trugen diese kleinen Modelle in der Hand; diese mochten nicht schwerer
wiegen als so ein Roman von mehr Bänden als üblich, ein Roman in dem neuen Stil
