 bestimmt, von ihm erfragt zu
werden. Aber vergebens! Jede Spur des abenteuerlichen jungen Mannes war
verschwunden.
    In noch höherem Grade als die Enthüllung der Hackert'schen Persönlichkeit,
fesselte Dankmarn die Aussicht, hier irgendwo, wenn auch unter dem schützenden
Deckmantel der ihm gelobten Unbekanntschaft, dem Prinzen wieder zu begegnen. Er
konnte kaum daran zweifeln, dass der von seinem Vater so schmählich verkürzte
Erbe der Hohenbergischen Besitzungen wirklich hierher gekommen war, entweder um
einen Act der Pietät, ein Opfer des Herzens, zu vollziehen oder sich ungekannt
von dem wahren Zustande dieser Besitzungen zu unterrichten. Die letzte Annahme
schien ihm nach längerer Erwägung fast die richtigere und der Natur des Fremden
entsprechendere. Denn so edel und männlich ihm Alles erschien, was der junge ihm
an Jahren nur wenig vorangeschrittene Fremde in Worten und Benehmen geäußert
hatte, so war doch Dankmar Wildungen schon Kenner der menschlichen Seele genug,
um sich zu sagen, dass bei Egon von Hohenberg, wenn er es war, die Kräfte des
Verstandes das vielleicht verstecktere oder unentwickeltere Gemüt überwogen.
Wie wenig hatte er sich von dem Förster Heunisch auf dem gelben Hirsch über
seine Mutter berichten lassen! Weit mehr dagegen, besonders als sie beide vor
die Tür des Wirtshauses gegangen waren und Dankmar ihr lautes Gespräch hören
konnte, hatte er der gegenwärtigen Verfassung dieser seiner mehr als zweifelhaft
gewordenen Besitzungen nachgeforscht. Dankmar griff in solchen Beurteilungen
nicht fehl. Wie sich eine seelenvolle, rein gemütliche Natur äußert, konnte er
durch keinen Vergleich sicherer treffen, als durch den mit seinem teuren,
älteren Bruder Siegbert, der einen kindlichen Glauben an die Menschen besaß und
die Jahre, die er vor Dankmarn voraus hatte, nur gewonnen zu haben schien, um
immer wärmer, immer ergebener und nachsichtiger zu fühlen, während Dankmar
dagegen schon an sich selbst gestehen musste, dass er mit jedem Jahre, an dem sein
Alter zunahm, im Gegenteil kälter zu denken lernte. Die Kälte des Fremden
schien ihm nicht Kälte des Herzens, sondern gerade auch diese Kälte der
Erfahrung, diese Kälte des Unglücks und des innersten Mismutes.
    Aber auch von diesem Fremden sah Dankmar nichts mehr. Zu den Behörden zu
gehen, seinen Verlust dort noch einmal anzuregen, schien ihm, nach dem tiefen
moralischen Eindruck der Versicherung des angeblichen Egon, nicht mehr
notwendig. In der Schmiede, wo er vorsprach, hatte er einen stumpfsinnigen
tauben jüngeren Gesellen, den Zeck Sohn angetroffen, der keine einzige seiner
Fragen beantworten konnte. Mit dem älteren, dem Zeck Vater, schien es ihm
anfangs, als würde er, wenn er viel forschen müsste, noch schlimmern Stand haben;
denn dieser war stockblind. Die Unruhe, die den großen atletisch gebauten alten
Mann ergriff, wie Dankmar sich als Eigentümer des neulich geraubten
