 in den Wagen
flüchten müssen, die Mädchen folgten, Rodewald, nach schmerzlichem Abschied von
dem nun wohl für immer Gefangenen. Man fuhr zum Tempelstein empor. Die Menschen
verliefen sich, nur Fränzchen Heunisch, die mit Louise Eisold zum Schloss zu
Fuß gehen wollte, blieb. Mangold, der die Demütigung der Ludmer ohne Mitleid
nachempfand, half den Mädchen und einigen Burschen das Tuch zusammenraffen und
es in ein Haus tragen, wo der Rest von Hackert bis zu seinem Begräbnis blieb ...
    Es ergab sich bald, dass Hackert an dem Versuch einer einzigen guten Tat,
die er in seinem kurzen und dämonischen Leben gewagt hatte, zu Grunde gegangen.
Die Ursache des Brandes, der den Schrein zerstörte, war in der Tat nicht der
Funke vom Feuerwerk der Könige, sondern die schlafwandelnde Sorge gewesen, die
den Schrein im überfüllten Gasthof zum St.-Georg von einer Scheune zur andern
trug und gerade mit dem Lichte dem Stroh unterm Schindeldach, das Hackert im
Traum hatte verlassen wollen, zu nahe kam. Er fand die Tür auf dem
Verbindungsstege verschlossen, entschlief auf dem Schrein, den er niedergesetzt
hatte und erwachte zum Leben nicht wieder ... Ein Dichter, wie auch wieder
Oleander, sah später in diesem Zusammenhange einen ernsteren Sinn und tiefere
Bedeutung. War der Schrein und sein Inhalt die irdische Hoffnung edleren
Strebens für das Wohl der Menschheit, war Hackert, wie einst Dankmar an jenem
Abend vor dem Fortunaball gesagt hatte, das Volk in seiner dämonischen, nicht
guten, nicht bösen, rätselhaften und unheimlichen Sinnennatur, war der
Aufschwung zu einer endlich reinen Tat in diesem Wesen Krankheit eher, als die
edle Blüte der Gesundheit, so lagen die Gedanken nahe, die sich halb schon bei
Oleander in Klängen austönten, dass der Geist ein Phönix wäre, der nur aus den
Flammen eines irdischen Nestes zur reinen Sonnenhöhe aufsteigen könne, und dass
da sterben müsse der Schlacke, was zum Lichte wolle. Wie in der Natur Das, was
seinen Dienst verrichtete, sogleich verginge, wie der Wurm in der Seide stürbe,
die er aus seinem Leibe und Leben spönne, wie die höchste Lust die Organe des
Lebens spränge, ja ein Bettler nicht lange zu bleiben vermöchte in einem
allzugeschmückten Hause, so säh' es auch immer schlimm aus, wenn man den großen
Kaliban, das Volk, einmal aus seiner tierischen Vegetation aufweckte, aus einem
Dämmerleben, dem das Gute und Bessere sich nur im nächtlichen Wandeln nahe! Auch
erwachend würd' es dann handeln wie im Traum, würde statt eines einfachen
Lichtes Fackeln, statt Fackeln Feuerbrände geben, würde wie einst Masaniello
über das Maß seiner Kraft hinauswachsen und entweder im Irrsinn oder
Selbstmorde enden ....
    Diese Auslegung gab Oleander Friedrich Zeck
