 das schadenfroheste Gelächter aufschlagen und alle Bemühungen, dieser
Bande, wie er sie nannte, nützlich zu sein, als rein verlorene Mühe verspotten.
Diesem Vieh, sagte er, ist sein Schmuz so behaglich wie dem Reichen seine
Eiderdaunen. Kein Champagner gibt dem Schlemmer die Wollust, wie Diesen hier der
erwärmende, scharf alle Nerven ergreifende und die Sinne in eine exaltirte
Spannung versetzende Branntewein! Seht nur dies wonnige Überbeissen der Lippen,
wenn diese Männer und Weiber aus ihrer Flasche getrunken haben! Seht dies
Schmunzeln des Mundes und Runzeln der Augenbrauen, als wenn der Genuss brenne und
Übelbehagen erwecke, aber es ist nur die Maske der süßesten Empfindung, die sie
hebt und alle Phrasen von Entsagung und wahrem Menschenglück verlachen macht.
Hört nur die zärtlichen Namen, mit denen die Flasche benannt wird, wie erwärmt
sie von Tasche zu Tasche im Kreise umherwandert, wie treu sie mit auf die
Arbeit, mit auf den Spaziergang genommen wird und wie sie immer die
Lebensgeister wach erhält, wie sie zu hoffen, zu hassen, zu lieben lehrt. Ha! So
ein Fluch, aus ganzer Seele losgelassen über die Welt und Alles, was in ihr lebt
und krabbelt, kann aus keinem Dichtermunde bei aller Begeisterung kräftiger
kommen wie aus dem mit Spiritus stimulirten Zustand dieser Menschen, die
zuletzt, wenn die Spannkraft der Nerven nicht mehr aushält, erst Morgens in ein
Zittern verfallen, dann Mittags über Magendrücken wimmern und zuletzt Abends
überall Mäuse, Ratten sehen, Wanzen, Flöhe, Ungeziefer und dabei heulen und
schreien: Es will mich was fressen, Hilfe! Hilfe! Ha, Papa, das ist dann der
Säuferwahnsinn und die Geschichte ist aus. Die Kerle kommen in's Tollhaus; aber
lustig, die Jungen machen's doch den Alten immer wieder nach! Man müsste die
Nester alle ausnehmen, wenn die Brut noch halb in den Eiern sitzt, müsste ihnen
allen den Kopf eindrücken oder sie in eine Anstalt zusammentun, wo sie dann
freilich wieder andere Laster lernen, die auch zu keinem seligen Ende führen.
Vater, es gibt für diese Kanaille der Wonnen, die dabei auch nichts kosten, gar
zu viel!
    Das war dann freilich eine Schilderung, grauenhaft genug und leider nur zu
wahr! Aber der Vater hatte den wenig ausreichenden Trost, dass solche und
ähnliche Äußerungen seines Sohnes noch mehr aus dessen immer mehr zunehmender
Hinfälligkeit herrührten. Die Mondsucht hatte ihn nicht verlassen. Jede Anfrage
bei erprobten Ärzten führte auf das Ergebniss, man müsse die Jahre abwarten und
sich mit äußern Schadenverhütungen begnügen. Hackert blieb, da der Vater sein
Inkognito nicht aufgab, in seiner Wohnung bei Zipfels. Friedrich Zeck wünschte
nicht, dass sie zusammenzogen. Er fürchtete, dass dann Einer vom Andern beherrscht
würde und
