 der gern und öfters
bei ihr gesehene Hackert brachte ihr darauf hin eine wunderlich zustimmende
Antwort des Sonderlings, der sie entnehmen konnte, dass hier in der Tat einer
jener Bussprediger vorhanden war, der diese Gelegenheit benutzen wollte, nun auch
ihr recht in's Gewissen zu reden. Auf die Gefahr hin, dass ihr dieser Mann von
einer jenseitigen Welt sprechen konnte, schlummerte ihre Absicht, Murray kennen
zu lernen, und ihre Furcht ein. Sie mochte solche »Quäker« nicht sehen.
    Friedrich Zeck hatte nie die Absicht gehabt, sich etwa an Pauline von Harder
und Charlotte Ludmer zu rächen. Es war eine wirkliche Frömmigkeit, die ihn
erleuchtete. Es lag ihm im Leben nur noch an dem Loose des Knaben, den
aufzusuchen ihn dasselbe Pflichtgefühl trieb, das die frömmelnde Fürstin Amanda
einst ihr Testament hatte niederschreiben lassen. Wie er Hackerten finden musste,
erfüllte ihn freilich mit Schmerz genug. Er fand doch zuletzt einen
verwilderten, trotzigen, aller Innerlichkeit baaren Sinnenmenschen, mit dem er
sich, um sein besseres Gefühl zu wecken, wohl hütete, zu verfahren wie mit
Auguste Ludmer. Die gewaltsame Unterwerfung unter seinen eignen edlen Geist
hätte er wohl ausgeführt, er hätte nur seine Geschichte, die Namennennung der
Mutter Hackert's anwenden dürfen, um den Hochmütigen ganz in der Gewalt zu
haben, aber er lehnte diese Gewalt ab, er fürchtete, etwas Künstliches in seine
Entwickelung hineinzutragen. Er wollte seinen Sohn gewähren lassen und ihm
selbst nur als eine Anlehnung seines eignen Wachstums dienen. Die Erfolge
dieser Erziehung waren im Beginn wenig ermutigend. Er entsetzte sich genug, wie
verworren, ja grundverdorben diese Seele war. Vor dem tiefeingewurzelten
Pessimismus derselben schauderte ihn. Alles wäre schlecht, Jeder sähe nur auf
seinen Vorteil, Alles löge und die Tugend wäre Maske, die nur die Dummen
blendete! So lauteten seine stehenden Sätze, die er selbst mit der Nachwirkung
der Gefühle verband, die ihm die Freude geweckt hatte, seinen rätselhaft
verborgenen und sich ihm noch nicht ganz entüllenden Vater damals auf dem
Kirchhofe zu finden. Seine Menschenverachtung ging soweit, dass er selbst am
Vater zu bohren, an dem zu wühlen, zu untergraben anfing und ihm gleichsam
Fallen stellte, um die Schadenfreude zu genießen, auch ihn straucheln zu sehen,
auch ihn auf Prahlerei und Eitelkeit zu ertappen. Er konnte nicht begreifen,
warum Murray in der Brandgasse wohnen blieb und die drei Zimmer der Louise
Eisold behielt. Er vermittelte manche Bestellung, die vom Vater für
Kupferstecherarbeiten wieder übernommen wurde; aber wenn er sie nur langsam
ausführte, wenn er hören musste, dass den Vater dieser oder jener Vorfall in den
Familienhäusern, bald auf Nr. 30, bald auf Nr. 50 in Anspruch genommen hatte, so
konnte er
