 geheimnisvolle Kreise zu Zwecken, die wenigstens bei
Rodewald noch ganz im Dunkeln liegen.
    Diese mit der Andeutung einer bedenklichen Gefahr betonten Worte schnellten
den Fürsten, der nur halb zugehört hatte, empor.
    Nein! rief er; ich sollte dies elende Leben führen und vor der Enthüllung
eines illegitimen Ursprungs zittern?
    Tollkühne, verbrecherisch-leichtsinnige Menschen, die mir das Leben gaben,
sollten mich im Wirbel kreiseln, willkürlich wie Spreu im Winde jagen und hetzen
können? Dies Ich, dies festgewurzelte Ich, sollte unterwühlt werden dürfen von
Menschen, die mich wie einen ihrer Gnade Überlieferten über dem Wasser hielten
und drohend ausriefen: Ich kann dich jetzt, wenn ich will, fallen und ertrinken
lassen?
    Egon! unterbrach Pauline ...
    Ich spreche nicht von Ihnen. Ich spreche von diesem Revenant Rodewald, der
mich mit dem Blicke eines Dämons betrachten wird, als gehörte ich ihm! Wüsste er,
wie ich im Grunde ihn hasste! Und kann ich ihm sagen, was ich so über ihn fühle?
    L'amour dans la haine? sagte Pauline forschend. Aber Egon erwiderte:
    Liebe? Ich will die Sitte, das Gesetz, das ewig Bindende der Tradition im
großen Ganzen verteidigen und soll in mir selbst den Makel der nagenden Lüge
fühlen? Ich soll die Karikatur eines Jahrhunderts spielen, das sich auf den
ewigen Zusammenhang der Zeiten, den wellenförmig gleichen Strom der
Überlieferung beruft und in sich selbst nur Lüge bärge? Mitten auf der Tribüne,
wenn ich von der Bedeutung des Adels, wenn er recht verstanden wird, spreche,
wird mich ein innerer Fieberfrost schütteln und eben wenn ich von Quadersteinen
und der grandiosen Architektur der Sitte und des Gesetzes reden will, umtanzen
mich tausend Larven, äffen mich und rufen mir den Abend zurück, wo ich schon
einmal in der Kammer nach drei schlaflosen Nächten plötzlich ein Riesenbild im
Dämmerlicht auftauchen zu sehen glaubte, einen Teufel in roter Tracht, der auf
ein Wappen zeigte, wo Fuchs und Löwe sich begatten und dabei sprach: Wir zeugen
die Legitimität!
    Um Gotteswillen, rief Pauline, Egon, was haben Sie? Sie sprechen irre! Geben
Sie mir Ihre Hand! Ich klingle ...
    Egon wehrte Paulinen ab. Ohne sich zu beruhigen, fuhr er fort:
    Ich spreche meine Qualen aus. Lassen Sie mich reden! Wüssten es Alle, es
würde mich erleichtern ...
    Hohenberg!
    Pauline hatte soviel Aufregung an dem Fürsten selbst an jenem schrecklichen
Abende nicht gesehen, wo er ihr das Testament seiner Mutter abgezwungen ...
    Wie ist das Leben so toll zusammengesetzt, fuhr er fort, wie ist man
Seiltänzer zwischen Wahnsinn und Verbrechen, Lüge und Fratze und Jeder gibt
seine Narrheit für Wahrheit aus. O Pauline, überzeugt sein
