 kam, ob sie sich zum Guten anliess, ob nicht, war
Niemand frei und die Fürstin hielt ihm mit ruhiger Selbstbeherrschung Stand. Sie
war die unruhige, von sich selbst hin- und hergejagte Melanie nicht mehr. Ihr
Gemahl aber, dem es schon zur andern Natur geworden, nach solchen Dingen, die
ihn quälten, immer mehr zu suchen, als nach solchen, die ihm wohltaten, hatte
sich von ihr bis zur Tischzeit mit dem täglich wiederholten Bedauern entfernt,
dass ihn nichts so verstimme wie die Abwesenheit des Generalpächters, eines
Mannes, dessen Rückkehr er mit Ungeduld erwartete und dessen so unendlich
wertvolle Bekanntschaft, da er Alles, was Ackermann hier unternahm, bewunderte,
ihm wohl gar verloren gehen könnte, wenn ihn, was er nicht hoffe, dringende
Depeschen zeitiger vom Schloss Hohenberg abriefen, als zu bleiben seine Absicht
gewesen war.
    Die Fürstin fand nach den mannichfachen Konversationen über Nichts, in denen
sie bei solchen Standesbesuchen Meisterin war und nur zu lange, zu bezaubernd
die Menschen fesselte, kaum noch Zeit, ihre Mittagstoilette mit Musse und Umsicht
herzustellen. Sie hatte neue Umgebungen. Von jener Jeannette, die einst hier
gewaltet hatte und bei dem jetzt arrangirten Lasally Faktotum geworden schien,
war hier keine Rede mehr. Neue Verhältnisse, neue Menschen. Und neue Kleider!
Die Putzsucht war Melanien geblieben. Der Fürst bestärkte sie darin, da ihm ihre
Metamorphosen gefielen. Sie verriet auch durch ihr Wesen nie, wenn sie ein
neues Kleid trug. Sie kam mit Stoffen, die eben noch fast schon am Körper von
den Näterinnen fertig geworden waren und wo noch möglicherweise irgendwo zum
Entsetzen der Kammerjungfern ein Seidenfädchen konnte unausgezogen geblieben
sein, aber sie kam so in den Salon, als wenn diese neue Tracht schon längst mit
ihr verwachsen war, ja als wäre sie mit ihr auf die Welt gekommen. Dieser
letztere Ausdruck gehörte ihrer guten Mutter, Johanna Schlurck, geboren
Arnemann. Diese brave Frau war in der Erziehung ihrer Tochter immer nach dem
Prinzip verfahren: Einem Mädchen muss man es ansehen können, ob es mit
Glaçeehandschuhen auf die Welt gekommen!
    Diese guten Justizrats! Sie existirten für Hohenberg nicht. Fürst Egon
schloss sie von allen Beziehungen zu sich, zu seinem Palais, zu seiner Existenz
radikal aus. Die Mutter litt darunter und zwar furchtbar, entsetzlich.
    Nicht deshalb, weil ihre Tochter eine Fürstin war: an alles Außerordentliche
gewöhnt sich der Mensch sehr rasch; sondern weil die Fürstin nicht mehr, wie
sonst, ihre Tochter sein durfte. Aber Franz Schlurck fand diese Trennung ganz in
der Ordnung. In dem Briefe, den seine Tochter nach abgehaltener Tafel z.B. heute
von Hause vorfand, sagte er ihr: »Mein gutes Kind! Dein Leben wird von
