 dann und wann
hüstelnd und wie es schien, in einer andauernden Reizbarkeit, in die Worte aus:
    Dieser Elende! Wenn mir irgend etwas den Geist der Konfusion, der in der
ganzen Welt die Köpfe verwirrt, vergegenwärtigt, so ist es dieser wildgewordene,
von Dünkel und lächerlicher Selbstüberschätzung aufgeblasene Halbpoet! Unfähig,
nur eine einzige dauernde Schöpfung hervorzubringen und wär' es ein Gedicht von
einigen Versen, zerschlägt er die ganze Welt in Trümmer und macht diese jeder
Halbheit, jedem Verbrechen zu einer beschönigenden Anlehnung. Jede Partei, die
seiner Eitelkeit schmeichelte, hatte ihn. Eine Zeit lang wünschte man, dass er
die Kritik der schönen Künste übernahm. In jeder Schöpfung sah der Schwätzer nur
den Verstand, nur die Kombination, immer schrie er: Offenbarung, Genie, Genie!
Jeder sich seiner Kraft bewusste und mit ihr harmlos spielende Geist war ihm ein
Rechnenkünstler. Alles, was Logik und Zusammenhang hatte, wies er mit dem Wort
zurück: Poesie fehlt! Ah, dies Guido-Stromerisiren ist die deutsche Erbsünde.
Der Kerl war dabei voll Eitelkeit wie ein Komödiant. Jede Schauspielerin, die
ihn besuchte, jede Tänzerin, die ihm gestattete, ihre Hände zu küssen, wurde im
»Jahrhundert« dafür gepriesen. Man musste ihm, weil er vor Eitelkeit halb
wahnwitzig wurde, diese Branche förmlich mit Gewalt nehmen. Er wollte nun zur
Politik, zu mir, zu Pauline'n zurückkehren. Aber keine einzige positive
Tatsache war ihm anzuvertrauen. Er hatte nichts, was ihm treu blieb, nichts als
seinen Styl. Eine Mischung von Naivetät und Erhabenheit, von Bildern und von
Abstraktionen war ihm immer das einzig Gegenwärtige, wie einem Arzt sein Latein,
auch wenn er noch gar nicht weiß, welche Krankheit er vor sich hat. Mit diesem
Styl, den zuletzt auch Pauline wegen seiner Indiskretionen verwarf, lief er in
allen Zirkeln, die sich ihm durch uns eröffnet hatten, wie ein herrenloser Hund
umher, der ein Halsband sucht, und klagte uns der Undankbarkeit an, drohte
sogar. Seinen Styl bot er dem Meistzahlenden an und in der Tat hat der Ritter
Rochus vom Westen gut daran getan, ihn für die Sophistik seines Kabinets zu
gewinnen. Er wird dort viel Geld verdienen, es durchbringen mit den Frauen,
deren Schönheitslinien er seit Jahren zu studieren vorgibt, mit Bildern, die er
vielleicht kauft, mit Gourmandise und wird im Übrigen jede Sache mit scheinbarer
Glut verteidigen, sie mag noch so schlecht sein und innerlichst ihn noch so
kalt lassen. Ah pfui! Die Lüge dieser Menschen ist fürchterlich und vielleicht
fängt bei diesem Stromer für die Welt und ihr Urteil die Wahrheit damit an, dass
er uns, die wir ihn emporzogen, nun hasst, nun verfolgt, nun
