 in seinem kurzen, polternden
Tone weiter, für Sie sorgen zu können, liebe Frau! Fassen Sie diese Sache von
ihrer besseren, nützlicheren Seite! Sie werden, hör' ich, in die Stadt ziehen,
die Kinder werden einen geregelten Unterricht erhalten. Wieviel Kinder haben
Sie?
    Die Pfarrerin nannte die Zahl ... Die Fürstin trat noch mehr bei Seite ...
    Der Hofrat ist ein reichbegabter Kopf, der eine umgekehrte Entwickelung
macht, wie Andre, die von der Wildheit anfangen und im Zahmen aufhören. Das wird
nicht hindern, ihn noch in vielerlei Wirrniss und zuletzt in die katholische
Kirche eintreten zu sehen.
    Wäre Das möglich? konnte erschreckend die Verlassene doch nun nicht umhin zu
erwidern und ihren Schmerz noch deutlicher in den Mienen auszudrücken.
    Sie werden bald davon hören, gute Frau! sagte Egon. Ohne Extrem geht es bei
diesen Naturen nicht ab. Das ist die übliche deutsche Entwickelung, die
Genialität, der Universitätsdünkel des aparten Geistes, dem die gegebene Welt
nicht genügt und der sich luftige Bahnen baut, auf die leider, wie unsre ganze
deutsche Geschichte zeigt, Kirche, Staat, Wissenschaft, Schule und Leben mit in
die Lüfte nachgeschleppt werden! In Kunst und Poesie derselbe Dünkel, dieselbe
Kritik, die nur Das für genial hält, was entweder im Irrenhause endet oder sich
eine Kugel vor den Kopf schießt. Zittern Sie nicht, liebe Frau! Dieser Phantast
endet so nicht, der endet behaglicher. Die ewig unbefriedigte Sehnsucht wird bei
ihm zuletzt durch Würden, durch äußern Glanz, durch eine Art von Ruhestand, in
den sich auch das Denken versetzt, befriedigt werden. Danken Sie Gott, liebe
Frau, dass Sie von diesen Fesseln erlöst sind. In allen halben Dingen ist reine
Rechnung das Sicherste. Sich hinschleppen zwischen der Erkenntnis und der Furcht
vor ihr, hinschleppen zwischen Dem, was man sieht und nicht sehen will, sich das
Leben verbittern durch ewige Befangenheit, die den Mut nicht hat, das für
besser Erkannte wirklich zu wagen, das heißt den schönsten Teil des Lebens
gradezu verlieren. Ergreifen Sie diese Notwendigkeit des Bruches mit Heroismus!
Geben Sie Ihre gerichtlichen Depositionen mit der ganzen Würde einer
tiefverletzten Frau! Ich versichre Sie: Sie gewinnen sich ganz und verlieren nur
Halbes.
    Mit diesen Worten trat der Fürst von der Mauer zurück und glaubte die
überraschte Pfarrerin mit einer innem Erhebung, mit gewonnenem Mute
zurückgelassen zu haben. Und in der Tat! Hätte er nur liebevoller gesprochen,
die Wahrheit seiner Worte fühlte sie schon; sie erwartete Ackermann, um sie ihm
wiederzuerzählen und vielleicht nach ihnen zu handeln.
    Als Egon seinen Arm der Fürstin wieder gereicht hatte und mit ihr den
Friedhof verließ, um sich dem Schlossgarten zuzuwenden, brach er,
