 so vernehmlich spricht, dass wir selbst verwildern, wenn wir zu
unsern Füßen nur Verwilderung sehen. Die dumme Lehre vom Instinkt hat uns der
ganzen unermesslichen Pflicht des Niederblickens mit einer Phrase überheben
sollen. Wo ist mehr von diesem mechanischen Instinkt als beim Menschen? Der
Instinkt lehrt uns, auf zwei Beinen gehen und den Kopf hochtragen. Der Instinkt
lehrt uns, des Nachts schlafen und nicht am Tage. Der Instinkt lehrt uns die
Furcht und die Bewaffnung gegen Alles, dem unsre Kräfte nicht gewachsen sind.
Unsre Paarung, unsre Kindesliebe, unsre Todtenbeseitigung ist Instinkt, wie auch
das Grundprincip unsrer Staaten, unsrer Rechtspflege, unsrer meisten Sitten und
Gebräuche. Was uns die Vernunft erfunden zu haben scheint, ist der Trieb der
Gattungserhaltung. Wüchse nur die Liebe zu allem wahrhaft Lebendigen, wir würden
nicht so viel geistig Todtes haben, nicht so viel verblendete méchante
Hypotesen aufstellen und uns nicht so sehnen, aus diesem Chaos von Lüge und
Irrtum, Misbrauch der Vernunft, Umgehung der Natur, bei Zeiten herauszukommen!
    Anna, noch bewegt von dem Stolze, wie der edle Greis Dystra's geringe
Meinung von der ihm gebührenden Rücksicht beschämte, erschreckt von der dem
Präsidenten eignen Todessehnsucht, die er oft äußerte, ergriff die zarte kleine
Hand, sie bittend und liebevoll streichelnd ...
    Grossväterchen, sagte sie, will mich einmal wieder mein Vielliebchen nicht
gewinnen lassen und wir haben doch gewettet, dass die hundert Jahre voll werden!
    Da sei Gott für! antwortete der Greis und sah sich, weil man das Dessert
brachte, Früchte und Bisquit, nach seinen gewöhnlichen Dessertgästen um. Die
Türen wurden geöffnet und Noah's ganze Arche schien sich zu entleeren. Selbst
die Schildkröte wurde auf Anna's besonderen Befehl von dem Bedienten in den oberen
Stock getragen ...
    Der Greis fütterte seine Gäste. Man hatte ihm Schüsseln mit Körnern
hingestellt. Er gab reichlich, strafte aber jeden Näscher und gab jedem
Gehorsamen mit Schmeichelreden ...
    Es ist die Liebe, sagte er zu dem erstaunt blickenden Dystra, den seine
Beklommenheit verließ, es ist die Liebe, die die ganze Tierwelt nur zu sehr an
uns vermisst. Wenn wir uns vor Dem, was außer uns lebt, fürchten, so geht Das
noch, es ist eine Idiosynkrasie der Gattung; aber wir hassen die Tiere; wir
toben unsre Leidenschaften an ihnen, wie nur zu oft auch an unsern Kindern aus.
Kein Wunder, dass Alles um uns her dann tückisch, zornig, rachsüchtig wird und
nun auch wieder seine Leidenschaft gegen das noch Schwächere austobt! Wodurch
verbind' ich Hund und Katze? Dadurch, dass ich sie nicht aufeinanderhetze, nicht
Gefallen an ihren Unarten finde. Ich verweise Sie auf den Blick des Tieres
