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hab' ich noch jüngst zu Ihrer Kousine gesagt, Herr Baron, die Brücken, die du
dir bauen willst in das unendlich Leere, sind wie Regenbogen, an deren Ende ich
als Knabe immer glaubte Gold zu finden. Die Leute sagten's. Ich lief und lief,
um die Stelle zu erreichen, wo der Bogen, der bunte, schöne Reif sich endlich
zur Erde senkt; ach und ein Sonnenblick und die ganze täuschende Phantasmagorie
war mit dem Golde verschwunden! Nicht in's Leere baue, sondern in das Gegebene!
Wenn ich nun Ordnung und Gesetz, Harmonie und Verständnis in den Wesenstufen der
vorhandenen, unsern Sinnen zugänglichen Schöpfung entdecke, soll mich Das nicht
mit Ehrfurcht vor dem Rätsel des großen Weltenplanes erfüllen? Und jemehr ich
Seele, Seelentrieb, Bewusstsein entdecke, desto geringfügiger kann mir doch die
innere, sie belebende Flamme der Materie nicht erscheinen? Nein, im Gegenteil!
Je mehr Millionen dieser kleinen Flämmchen selbst im Wurme, in Insekten und
Fischen leben, desto höher wächst mir das große Centralfeuer der sich selbst
erkennenden Gottheit. Was ich in Allem finde, muss ein Großes, ein Lichtgebornes,
Ewiges sein. Und wenn ich dem Astronomen, Geologen, Botaniker überlassen will,
in seinem Bereiche die Harmonie der Gesetze, das Streben nach Individualisirung
und nach kosmischer Schönheit in den oft so bewundernswürdigen Gattungsregeln zu
entdecken, so hab' ich mit Liebe mich der Tierwelt angeschlossen und ein
Mysterium darin gefunden, dass in ihr gebunden dieselbe Seele schlummert, die uns
für Halbgötter hält, während die ganzen Gotteiten wohl wieder über uns
Tiermenschen lächeln.
    Anna von Harder zerschnitt eben in kleinste Stückchen die Portion Braten,
die der in's Redefeuer geratene Greis mit dem Löffel aß, da das Aufstecken auf
die Gabel der zitternden Hand nicht geschwind genug gelang ... Sie verriet eine
innerste Genugtuung über diese Worte des Alten, die so bedeutungsvoll waren,
dass sie Dystra mit seiner Moquerie beschämten.
    Ich dachte, Excellenz, sagte Dystra trotzdem witzhaschend, ich dachte,
Excellenz wären ein Pytagoräer und enthielten sich des Fleisches, wie noch
jetzt die Hindus.
    Ah bah! Ah bah! antwortete der Greis. Dass ich ein Narr wäre! Zur
Sentimentalität soll uns die Liebe zum Geschaffnen nicht verführen. Das
Vollgefühl der Race, das Bewusstsein und der Erhaltungstrieb der menschlichen
Gattung erfordert die Tiernahrung. Grade weil wir Raubtiere sind, haben wir
Geist. Die Wiederkäuer, die Schaafe, die Rinder sind von geringem Geiste.
Verloren gehen soll der Mensch an das Tier nicht, wenn wir auch mehr als
dünkelhaft sind in dem blinden Ignoriren alles Dessen, was um uns fliegt,
kriecht, schwimmt, hüpft und bellt. Es liegt hierin eine Offenbarung, die in
tausend Zungen
