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der eigne Sohn des Greises, der Intendant von Harder. Klare, besonnene, rüstige,
konsequente, wohlwollende wie Rudhard, Siegbert, Dankmar, Leidenfrost, wenn
nicht im Namen, doch im Wesen alle aus dem A. Es ärgerte ihn fast, dass ihm sein
ganzes Wesen wie eine Resonanz von I und E klang.
    Der Greis erschöpfte sich jetzt in freundlichen Betrachtungen über Olga und
beschämte Dystra mit der Voraussetzung, dass er ihm verpflichtet sei, von Anna's
Pflegebefohlener zu erzählen. Der Greis hatte die Natur derselben sehr wahr
erkannt. In kurzen abgerissenen Sätzen ließ er soviel treffende Andeutungen über
Erziehung und Mädchencharakter fallen, dass Dystra im Hinblick auf den
Intendanten erstaunte, wie die Praxis hier hinter der Theorie zurückgeblieben
war ... Das bescheidene Gemüse, das er jetzt verzehren konnte, wenn er Appetit
gehabt hätte, ließ ihm Zeit, über ein Mittel nachzudenken, wie er wohl, ohne
absichtlich zu erscheinen, auf den Prozess der Gebrüder Wildungen kommen konnte.
    Überrascht musste Dystra sein, als der Greis von den Tieren anfing, die Herr
von Dystra seinem Sohne für die königliche Bühne verehrt hätte. Als er die
Überraschung über diese seine plötzliche Bekanntschaft bei dem Greise aussprach,
erwiderte Anna:
    Wir lesen mit Aufmerksamkeit die Zeitungen. Wenn die große Welt sich in den
Teatern und Salons bewegt, holen wir nach, was die Menschen alles unsrer
Lektüre zu Gefallen Schönes oder Hässliches anstellen. So hat uns auch Ihre
Unterstützung der darstellenden Künste sehr unterhalten. Alle Blätter erwähnten
den Vorfall mit den Meerkatzen.
    Das Feld war für die Tierliebhaberei des Greises nun offen. Angeregt durch
den Besuch und eine kurze Mitteilung der Reisen, die Dystra gemacht hatte,
sprach Dagobert von Harder sich dahin aus, dass ihn seine Väter und Ahnen, die
alle im Forstfache dienten, früh auf die Naturbetrachtung hätten führen müssen.
Dann, sagte er, kam mir als Juristen das Naturrecht in der alten römischen
Definition entgegen. Sie wissen, mon cher Baron, dass das Natur- oder Völkerrecht
bei den Alten das Recht alles Lebendigen war. Was da atmet, was zu dem großen
schönen Bau der Erde, zu dem herrlichen Kosmos des Daseins gehört, hat ein Recht
der Pflege, der Schonung, soweit seine Freiheit die Freiheit der Andern nicht
beschränkt. Das Recht ist sozusagen der unsichtbare Genius, der seine
schützenden Fittiche über Alles, was ist, ausbreitet. Von der Natur fängt es an
und wo es in der Natur nicht ist, wird's im Geiste nicht sein. So hab' ich schon
früh als Jurist gedacht und wenn wir weise werden wollen, wo können wir denn
auch anders anfangen, als mit dem Leben der Natur? Die Brücken, die ein Kind
