 Not und Elend mir folgt.
Ich kann mir denken: dies Mädchen ist jung und lieblich; aber sie wird dir auch
wert sein, wenn es ein altes Mütterchen geworden ist und du selbst graue Haare
trägst! Das springt um mich, Das atmet Lust und Leben, Das ist gut und
gefällig, heiter und dienstbeflissen, Das schmollt ein Viertelstündchen, zankt
ein Weilchen, fährt auf und will Recht haben und küsst dann doch wieder alle
Launen weg und gesteht dir offen, es könne nur sein und fühlen durch Unsereins,
auch wenn wir Unrecht hätten. Da widerstehe nur und wirf nicht deine ganze
Lebensphilosophie wie alten Plunder über den Heckenzaun! Und denke nur nicht,
Bruder, dass ich darum im Idyllischen wie marklose Poeten zu Grunde gehe! Ich
behalte mein Auge klar und den Verstand offen. Das ist eben das Wesen einer
gesunden und reinen Liebe, dass sie uns nichts von unserm Besten nimmt, sondern
dass sie Alles zum Schüren ihres eignen Brandes brauchen kann. Mein Mädchen fühlt
das Alles mit klopfendem Herzen mit, was mich bewegt und so wachsen wir Beide
zum Hören und Sehen, und lehnen und trösten uns recht aneinander. Unsern Bund,
den des Herzens und den andern, den des Geistes, hab' ich dem Vater natürlich
verraten. Der Hohe, Edle nahm beide ernst und sinnend auf. Dem ersten gab er
selbst den Segen, für diesen zweiten erfleht er ihn. Ich glaube mich nicht zu
irren, wenn ich annehme, dass wir nun schon weit über einige hundert Bekenner
haben, die ein gemeinsames unsichtbares Band verbindet, ein Gedanke, eine
Führung, die Niemand kennt, die auch nirgends da ist, als in dem Bewusstsein, dem
Glauben einer Führung. Der Geist ist es, der fortwirkt und eine Stunde wird
kommen, wo seine Werke, die jetzt noch in der Stille sich vorbereiten, an das
Tageslicht treten. Noch in diesem Jahre, jedenfalls im nächsten, hoff ich auf
den ersten großen Bundestag, wo wir uns durch Abgeordnete begrüßen und eine Form
für das bewusste Fortschreiten unsrer Entwickelung aufzustellen hoffen. Könnt'
ich dann dieser Schöpfung gegenüber treten und mit dir sagen: Hier schütt' ich
aus dem Füllhorn Fortunens auch jene irdischen Güter, die uns den Kitt für den
geistigen Bau geben sollen! Könnt' ich dann sagen: Hier ist eine kräftige Hand,
die über die Länder und Völker hin das Flammenschwert des Erzengels Michael
zücken und den ewigen Sündenfall aus dem Paradiese jagen will! Ich verzweifle
nicht; so wie ich mich rühren kann, beginnt die letzte Entscheidung. Der Vater
meines Mädchens behauptet, zum Präsidenten des Obertribunals, zu unserm greisen
Rhadamantus von Tempelheide, in einem eigentümlichen Verhältnisse zu stehen,
das uns nützen soll. Mit
