 dem Obertribunal, vor jenem
geheimnisvollen Oberpriester des Rechts, dem uralten Greise von Tempelheide,
jener Anspruch geltend gemacht werden konnte, an den sich Dankmar jetzt schon
krampfhaft klammerte nicht als Anker für sich, sondern als Steuerruder für das
Fahrzeug seines Ordens vom vierblättrigen Kleeblatt. Wie war's damit? Wie man
auf die Wiese geht und sieht in den Millionen Kleeblättern gleichsam die eine,
große, ganze Menschheit, so harmlos, oberflächlich, einig, gleichbedeutend war
den Uneingeweihten der Anblick des Lebens. Dankmar aber und sein Bund sah in den
Millionen Dreiblättern die heimlichen Vierblätter der Verständigung, diese
verkörperten Heurekas der Liebe, diese idealen Gefundenen, denen hier und dort,
ohne dass sie von ihm geworben waren, zu begegnen, ihn oft mit
Bewunderungsschauern vor der Macht einer Idee erfüllte. Der Tempelstein im
Westen trat in Verbindung mit dieser Erfahrung. Dankmar hatte den Plan, den
ersten großen Bundes- und Erkennungstag dorthin auszuschreiben. Siegbert, der am
unangefochtensten schien, bezweckte zum Frühjahr eine Reise nach Buchau und
diesem Tempelstein, um mit Dystra gemeinschaftlich die großen dort projektirten
Bauten zu beginnen. Die Wolken mehrten sich freilich. Immer düstrer drohte der
Horizont. Unter dem Symbol des vierblättrigen Kleeblattes erhielt Dankmar eine
ernste Warnung nach der andern. Er sollte sein Heil in der Flucht suchen.
Siegbert's Rat, Egon, dem doch einst so edel erfundenen Egon sich noch einmal
anzuvertrauen, verwarf Dankmar als eine unwürdige Reminiscenz. Der folge seiner
Bahn! Wir gehen die unsrige. Aber ich müsste doch an irgend einem sichern
Rückhalt, wie ein Luther auf der Wartburg, die Entwirrung dieses Knotens
abwarten ...
    Siegbert sprach von Angerode. Dystra, der der ängstlichen Beratung
beiwohnte, riet, zu Mangold, Louise Eisold, zum Tempelstein zu fliehen. Dankmar
aber, wie von einem Offenbarungsgedanken ergriffen, rief:
    Ich gehe grade in die Höhle unsrer Gegner selbst, mitten in die Gefahr! Ich
gehe nach dem Ullagrund! Dort wohnt ein Ehrenmann ... und zu Selma zieht es
mich, wie zu meinem Schutzgeiste. Ackermann war in Amerika! Er lauscht dem Leben
der Natur! Er wird sich dem Gesetz der Freiheit nicht entziehen. Dort kenn' ich
Weg und Steg. Selige Erinnerung! Der Frühling ist da! Ich fliehe in den
Ullagrund -
    Und als die Freunde Bedenklichkeiten äußerten, sagte Dankmar:
    Man soll mich für einen jener Arbeiter halten, die Ackermann um sich
versammelt - eine Jacke her, eine Blouse, ein Wanderstab! Ich will nach
Hohenberg wandern, wie Egon einst wanderte; aber reineren Herzens, treuer der
Sache des Volkes hingegeben, kein sich zum Volk herablassender Aristokrat, nicht
haschend nach dem Scheine, nicht weglügend die eigne innere Leere - dort unter
den Arbeitern
