. Mein Fräulein, wenn ich mir sagen muss, dass die
Zeit noch mit diesen Elementen fertig werden soll, so gerat' ich in
Verzweiflung. Ich sehe hier nur einen Kampf auf Leben und Tod. Ich begreife, wie
es in Frankreich bis zur Guillotine kommen konnte. Sagen Sie mir, welche
Aussöhnung soll es noch geben, wenn die Monarchie diese Idolatrie duldet, die
Ministerien sie gestatten, hervorrufen, sich auf ihre Demonstrationen stützen?
Oder wo wird der Begriff herkommen, der sich einst vom hohen Himmelstron
herabsenken müsste, um hier eine friedliche Ausgleichung zweier Extreme in einem
höheren Dritten möglich zu machen? Es wird keiner kommen oder es ist der Begriff
der Barbarei, die Invasion der orientalischen Horden oder die entfesselte Wut
der sozialen Gleichmacher. Wir stehen hier unter Blumen, Glaskronen, umrauscht
von einer versteckten sanften Musik, aber ich sage Ihnen, in zwanzig Jahren
wehen hier Trauerfahnen und wir Alle sind weggemäht vom Schnitter, dessen Sichel
ich schon in furchtbarster Arbeit sehe, ohne zu wissen, wo sie Alles einst
hinfahren wird und von wannen sie einst kommt!
    Dankmar ergriff, um seine Aufregung zu verdecken, einige der ausgestellten
Gegenstände ...
    Wilhelmine schwieg. Sie war so erschüttert, dass sie das Auffallende dieses
langen Verweilens eines jungen Käufers an ihrem Stande nicht merkte und die über
den ganzen Saal hinübergeschossenen Blicke der im Verkaufe glücklichen Trompetta
nicht verstand ...
    Alle seine heftigen Äußerungen verband Dankmar dann wieder mit scheinbar
gleichgültigen Fragen und Erwiderungen, die er über den Tisch hinweg wegen
entfernter oder näherer Spielereien tat. Niemand im Saale, außer Friederike
Wilhelmine konnte ahnen, wie bewegt er war ...
    Sie können sich so mäßigen, Herr Wildungen! sagte sie. Sie können so den Ton
treffen, der immer der gute ist! Wie oft hab' ich Sie beobachtet! Alle Welt
kennt Ihre Gesinnung und sonderbar, Niemanden verletzt sie. Und ich nenne Das an
Ihnen aristokratisch. O, Sie wissen gar nicht, wie aristokratisch Sie sind.
    Dankmar musste lachen ...
    Lachen Sie nicht! Ich wünschte wohl, Jeder wüsste sich zu beherrschen ... Sie
haben Takt - Takt ist eine der schönsten Tugenden des Menschen! Ich wiederhole
ein Wort der edlen Anna von Harder: Takt ist der Verstand des Herzens. Den
Verstand des Verstandes kennen wir, den haben Tausende! Den Verstand des Herzens
haben Wenige; Wenige dies sichre Gefühl, was Andern wohltun, was sie verletzen
könnte. Der echte, wahre Takt ist keine kalte Welttugend, keine bloße
Formenglätte des Benehmens. Der Taktvolle kann im Grunde nur ein guter Mensch
sein und ein bescheidner. Wie hab' ich bei der Fürstin Wäsämskoi Ihren Takt
bewundert! Sehen Sie! Sie kommt daher ..
