
Wandhaken, um eine Uhr daran zu hängen. Seine Finanzen waren seit geraumer Zeit
so schwierig, dass ihm diese Uhr selbst in Gefahr scheinen durfte, nun trotz des
Wandhakens.
    Sie sind eine Schwärmerin, mein Fräulein, musste er sagen, als sie ihm den
Haken in eine reaktionäre Zeitschrift wickelte. Sie huldigen Ihren Göttern wie
eine geweihte Priesterin. Ich ehre Ihre Weihe, fliehe aber Ihre Altäre. Diese
Altäre verlangen Menschen-und Begriffsopfer. Dieser Kultus gibt verbrecherisch
Alles hin, was seit Jahrhunderten von der Menschheit für die Menschheit erstrebt
wurde. Ihre Freunde sind mir grauenvoll; ich hasse sie. Verraten Sie mich da
dem Rate, dort jenem Obersten, dem Kammerherrn ... ... ich mache Platz; ich
hindere Sie am Verkaufen.
    Nein, bleiben Sie! ... Also keine Abhängigkeit, keinen Gehorsam, keine Liebe
mehr?
    Abhängigkeit, Gehorsam, Liebe! Auch diese Empfindungen sollen in's
öffentliche Leben zurückkehren, ja sogar seine Stütze werden. Aber da - diese
Reubündler, sie wollen ja nur vom Fürsten und seinem Glanze abhängig sein, um in
der Sonne der Majestät mit zu glänzen. Diese abscheuliche royalistische
Eitelkeit! Zu tief in das feudale Europa hat sie sich eingenistet! Sie sind auf
dem Wege, dass der Glanz der Dynastieen zu einer allgemeinen Landes- und
Volkssache erhoben werden soll und in grässlicher Überspannung ein Staatsleben
geschaffen wird, das eine Sünde gegen Gott ist.
    So gereizt war Dankmar seit einiger Zeit, dass er selbst bei solcher
Gelegenheit nicht mehr spielen und tändeln konnte. Die Gruppe der Blumen und des
Monarchen war von vornehmen Damen und Herren umstanden und mit Entzücken
betrachtete man den Einfall, auch das Landeswappen aus einigen Kränzen
darzustellen.
    Sie sehen, sagte Fräulein von Flottwitz, Sie kommen mit Ihrer destruktiven
Kälte hier nicht durch. Ein Ewiges, das in die Herzen der Menschen gepflanzt
wird, widerlegt Sie.
    O, ich kenne dies Ewige und ehr' es, antwortete Dankmar, der sich gereizt
entschloss, noch einen halben Taler an einen bunten Kalender für's neue Jahr zu
wagen. Ich will die Bescheidenheit, das Abhängigkeitsgefühl, die Hingebung nicht
ausrotten; aber es soll hinübergelenkt werden in Gebiete, die unsrer würdig
sind. Da! Dies ist ein reicher Leinenhändler, der dem Hofe das Tischzeug
liefert. Er kauft eine Kokarde bei Gräfin Mäuseburg! Er zahlt einen Louisdor.
Guter Hoflieferant! Du widerlegst den Rousseau nicht mit deinem Louisdor! Das da
ist der Meister von Tisch und Stuhl im Reubund; er ist Seifenlieferant der
Prinzen und muss sich gut stehen mit dem Tischzeughändler. Einer verrät des
Andern schlechte Ware nicht. Sie geben sich den brüderlichen Handschlag! Kennen
Sie jenen Regierungsrat? Er ist von Adel,
