 ein Predigen
über Liebe und Wohltätigkeit, Das war ein Forschen, ein Fragen nach den
Schicksalen des so lange nicht Gesehenen! Und als sie ihm nun gar noch mit
Gewalt einen bunten Lappen zum Tinteausspritzen um einen Taler empfehlen
wollte, kam ihm glücklicherweise die Fürstin Wäsämskoi, mit der er sich hier ein
Rendezvous gegeben hatte, zu Hilfe und kaufte so stark, so guten Humors, dass die
Trompetta alle Chronique scandaleuse über ihre guten Geschäfte vergaß und im
Jubel über die gefüllte Kasse alle sittlichen Irrtümer der Welt mit dem
Schleier der Vergessenheit bedeckte ... Dankmar'n aber ging es nicht so gut.
    Fräulein Wilhelmine, hocherrötend über diese ihr trotz der
entgegengesetzten Meinung so teure Begegnung, hätte von den Offizieren, die bei
ihr hatten kaufen wollen, vielleicht nicht einmal viel eingenommen. Sie hielt
sie aber auch nicht fest, selbst wenn sie gefülltere Börsen hätte voraussetzen
dürfen. Dankmar'n aber ließ sie nicht, was ihm Geld kostete. In ihrem fesselnden
Gespräche musste er doch wohl Falzbeine, Briefbeschwerer, Börsen, Federputzer,
eins nach dem andern erstehen. Das politische Thema war dabei sogleich im Gange,
sogleich musste sie den kleinen Scherzen Dankmar's über die Gypsbüste des Königs
in ihrer Nähe Rede stehen und ihm die Lehre geben:
    Sie Unverbesserlicher! Spotten Sie schon wieder? In diesem Bilde liegt der
allmächtig ausströmende Zauber einer Persönlichkeit, die der Träger unsrer
teuersten Begriffe ist! Für mich knüpft sich an diesen edlen Jünglingskopf, der
so traurig auf seine ernste Lebensaufgabe herniederzublicken scheint, doch die
ganze Geschichte unsres Vaterlandes, die Vergangenheit und die Zukunft und der
regelmäßige Gang unsres früheren Staatslebens und der Schmerz um die gestörte
Ordnung dieses Ganges und die Verzweiflung über die neuen Bahnen, die er jetzt
wandeln soll und die, wir ahnen es, zu seinem Verderben führen werden. Ja! Ja!
Sie Böser! In den wogenden Schwankungen des öffentlichen Lebens was bleibt
sicherer, als die geheiligte Person des Monarchen, der da sagen kann: Ich, der
Fürst und der Herr? Wo ist denn auch ein Wesen, das öffentlich wirkt und von uns
mit ganzer Liebe erfasst werden kann? Sie sprechen vielleicht von Ihrem Freunde
Egon von Hohenberg, wenn er noch Ihr Freund ist? Er ist lobenswert, seit er
seinem Könige und Herrn dient, aber wer kann sich an ihm wie an einem Anker
halten? An diesem Bilde halten wir uns. Wo der Herr und König steht, da stehen
unsre teuersten Güter, da steht das Vaterland, die Ehre der Monarchie, der Ruhm
des Kriegsheeres, Güter, die Sie gering achten mögen, die aber in den Zeiten der
Gefahr die einzige sittlichberechtigte Entscheidung geben.
    Dankmar zog die Börse und zahlte schon den dritten Taler für einen kleinen
