 noch gebunden wäre« für eine eheliche Verpflichtung ein Triumph der
modernen gesellschaftlichen Freigeisterei war. Siegbert aber im Stillen war über
die Klosterschwärmerei seiner Olga doch tief ergriffen; denn er fühlte, dass
diesem Triebe alles Das zum Grunde lag, was ihn selber beseligte, mochte er auch
mit Klöstern nur in ästetischer und kunstidealer Verbindung stehen.
    Wir sind sogleich zu Ende, sagte Dankmar und schloss die Vorlesung:
    »Ich wünsche Rurik und Paulowna die besten Weihnachtsgeschenke und bitte
dich, Papa Rudhard, aus meiner Sparbüchse etwas für sie zu kaufen. Herr von
Dystra hat sie, wie ich höre, sehr reich beschenkt. Es ist die Art der Menschen,
die« ...
    Lesen Sie nur! sagte Dystra, als Dankmar stockte ...
    »Es ist die Art der Menschen, die nicht durch sich selber Interesse
einflößen können« ...
    Abscheulich! ... Dystra trat vor den Spiegel, seine Toilette musternd und
auf den Fußspitzen sich erhebend ...
    »Sich auf die Wirkung ihrer Geschenke zu verlassen. Wenn dieser Herr glaubt,
dadurch auf mich vorteilhaft zu wirken, so bedaur' ich die Verblendung. Nach
Allem, was ich von dem Baron höre, glaubte er in mir ein Kind zu finden, das ihm
für seine Liebe die Hand küssen würde. So habt ihr mich ihm dargestellt ...
nein, ich will diese Zeilen mit keinem Miston schließen. Sie kommen aus dem
Lande der Harmonieen! Grüsst Die, die mich verstehen! Und wo meine Seele weilt,
weißt du, Vater Rudhard! Ein Gott und eine Liebe! Das ist der Wahlspruch Eurer
Olga Wäsämskoi.«
    Als Dankmar geendigt hatte, bemerkte Dystra, zu Siegbert gewandt, der
nachdenklich das Haupt stützte:
    Sie werden gestehen, dass mich diese kleine Emanzipirte sehr falsch
beurteilt, wenn sie glaubt, dass ich nur gemeiner Empfindungen fähig bin! Gibt
es etwas Heroischeres, als den Reiz, den mir dieser allerliebste Flüchtling
verursacht, unterdrücken und dem Manne, dem sie ihr Herz so offen und frei
anträgt, den ganzen Einblick in ihr Inneres zu gönnen, ja dasselbe ihm
darzubieten? Ich bitte mir aus, dass Sie einen Dichter für diesen Gegenstand
interessieren!
    Herr Baron, sagte Siegbert und drückte dem wirklich trotz der Ironie
bewegten Dystra die Hand, ich selbst werde volle Kraft besitzen, diese Neigung
in mir zu ersticken. Wenn Olga unter allen Schmeicheleien, denen sie sich durch
ihren gewagten Schritt ausgesetzt hat, die Ägide einer ihr heiligen Neigung
durch mich sich schmiedete, so ist Das auf dem gefährlichen Boden, Heinrichson
gegenüber und in der Umgebung der excentrischen Helene, vorläufig vorteilhaft.
Ich bin der Stab, an dem das Pflänzchen aufwachsen mag. Ist es erstarkt, so wird
