, wir nützen
uns nichts und Denen nicht, die nach uns kommen werden! Glaubt doch nicht, dass
Ihr allein dasteht mit Eurem Kummer um diese Zeit! Gebt dies weichliche Jammern
um Eure Lage auf und erschliesst Euren Geist einer höheren Betrachtung. Es
arbeiten mehr, als Ihr denkt, wenn auch nicht mit Schwielen in der Hand. Aber es
denken auch mehr und hoffen auch mehr. Ihr seid nicht die Einzigen und seid
nicht verlassen! Ihr fahrt nicht wie dieser Jüngling in die Grube und düngt nur
die Erde! Haltet Schritt mit dem Allgemeinen! Folgt nicht dem nächsten Gelüst
Eures Zornes, sondern glaubt an den im Stillen arbeitenden Weltgeist, der uns
mit Schöpfungen überraschen wird, von denen Ihr keine Ahnung habt. Eine Ordnung
in diesem Leben muss sein! Sie beruht nicht auf der Verteilung der Güter, die
nur Mord und Brand erzeugen würde, sie beruht auf dem geänderten Begriffe vom
Staat. Dahin arbeitet! Nicht zur Auflösung, sondern zur neuen Bildung hin!
Gehorchen wollen wir, dienen, uns beherrschen, Das ist das Ziel, das wir nur im
Siege des Geistes, nicht dem Siege der Materie finden können. Die rechte
Freiheit und die rechte Begrenzung! Darin liegt Glück, darin die Bürgschaft
neuen Friedens. Die Römer wussten, was sie wollten; die ersten Christen wussten,
was sie wollten; wir wissen noch nicht, was wir wollen. Deshalb entwaffnet die
materielle Kraft, die Euren Forderungen gegenüber steht, entwaffnet sie nicht
durch die schwache, sogleich besiegte Faust, sondern durch den milden
Sonnenschein des Geistes und der Verständigung. Der Sonnenschein blies dem
Wanderer den Mantel ab, den der Sturm nicht abblasen konnte. Gebt Ruhe, Friede
den Toten! Scheidet von diesem Grabe mit der Hoffnung auf einen neuen Frühling
und werfe Jeder eine Handvoll Erde dem edlen Jünglinge nach, als Zeichen, dass
wir Erde werden, wie er und uns versöhnen wollen mit unserm Loose, das uns diese
Welt gab als einen Schauplatz der Entsagung und eine dunkle Kammer rätselvoller
Hoffnung!
    Diese wie ein Strom hervorquellenden Worte verfehlten ihre Wirkung nicht.
Einer nach dem Andern trat an die Grube und warf eine Handvoll Erde über den
Sarg. Louise und die Kinder schütteten Blumen. Die Frauen vieler Arbeiter
umringten die Weinenden und führten sie an das Tor des Friedhofes zurück, wo
einer der schönsten Wagen, dem ein zweiter, in welchem Mangold saß, folgte, sie
aufnahm. Die verstärkte Torwache machte Spalier. Die Arbeiter gingen ruhig
auseinander. Leidenfrost erhielt den Handschlag Dankmar's und jenes kleinen mit
dem Offizier der Wache sich unterhaltenden Fremden, in dem Hackert wieder den
vornehmen Reisenden erkannte, den er in die Stadt Rom gewiesen hatte.
    Als der Kirchhof von dem Menschengewühl sich entleerte und
