 doch so dumme Teufel seid und die Menschen liebt, die
Euch nur ein moralisches Huit! mit der Zungenpeitsche geben, so will ich Mitleid
haben und Euch so lange bei mir behalten, als wir Alle zusammen das Klima von
Buchau hinterm Rheine vertragen können.
    Wie die beiden Neger diese Trostesworte hörten, stießen sie ein heulendes
Freudengeschrei aus, küssten Dystra's Hände und wollten sich vor ihm
niederwerfen, was er aber mit den Worten verhinderte:
    Gut! Gut! Es ist schon abgemacht! Sorgt für unser Diner und betrinkt Euch
erst, nachdem Ihr servirt habt, hört Ihr?
    Mit diesen Worten schloss Dystra die Tür und konnte nicht anders, als
Mangolden Recht geben, der über diese Szene seine Freude äußerte ...
    Welche Dankbarkeit! sagte Mangold. Welche Hingebung und Liebe! Sie würden
lange bei uns suchen dürfen, bis Sie so viel Anhänglichkeit fänden.
    Diese Treue steht hoch und niedrig, wie man es nimmt, antwortete Dystra. Es
ist die magnetische Gewöhnung dieser Menschen an meine Persönlichkeit und nicht
nur die moralische Persönlichkeit, sondern gradezu die physische. Wir ignoriren
in der Tat den Körper zu sehr, wir achten ihn zu gering und sind darum auch im
Geiste zurückgeblieben. Wenn man die Menschheit immer nur dem Geiste nachjagen
sieht, so kommt sie aus der Bahn ihrer Natur und verirrt sich aus lauter
intellectuellem Drange oft in's Grausame und Unnatürliche. Mir ist dieser ganze
Wirrwarr in Europa ein unnatürlicher, dem innersten Menschentum entrückter. Wir
haben uns zu sehr auf die Potenzirung unsrer Empfindungen verlassen, sind in den
feinen Sonnenstäubchen der idealischen Welt zu sehr verloren! Niemand will
irren, Jeder will wahr sein und Alles lügt. Ich suche Menschen, die das
Geheimnis des Daseins in sich selber suchen, in der Entwickelung der Natur, die
ihnen die Geburt einmal mitgab, ich finde sie nicht. Ein Gespinnst von
Ideologie, das hier Alle in Kirche, Staat, Gesellschaft beherrscht, umwickelt
die Handlungen dieser ganzen Generation, die in himmlischen Leibern schon auf
Erden wandeln will und in Zorn und Wut gerät, wenn sie an die Bedingungen
ihres Daseins, die Luther doch den alten Madensack nannte, erinnert wird. Aber
was wollte denn mein alter Freund der Intendant? Ich staune, wie gehänselt und
genarrt ich diesen ehemaligen unanstelligen Mann verließ und was für ein großes
Tier ich in ihm wiederfinde! Diesem Manne überträgt die unverbesserliche
Etikette des Hofes die Fürsorge für ein geistiges Institut! Das erinnert mich an
die russischen Generale, die man in Moskau zu Direktoren der schönen Künste und
Wissenschaften macht.
    Ich habe, berichtete Mangold, zehn Jahre mit diesem Manne gemeinschaftlich
die Gartenkultur der königlichen Lustschlösser gepflegt und ihn als einen zwar
beschränkten und in der Erziehung vernachlässigten, aber dennoch ehrgeizigen
