 Liebe zur Freiheit die Freiheit lenken
müsse, bin ich verhasst, verfolgt und es soll mich nicht wundern, wenn man irgend
etwas ersänne, um mir, wenn nicht meine Ehre, doch diesen Rock, den ich im
Dienste des Vaterlandes zu tragen glaube und auf den ich stolzer bin, als diese
kindischen Alten und diese jungen Greise auf ihre Schnüre und Achselbänder, vom
Leibe zu ziehen. Wehe aber Denen, die sich in ihren Intriguen nicht vorgesehen
haben! Ich bin durch die Disziplin nicht entmannt. Ich fühle etwas von jenem
selbstständigen Soldatengeiste in mir, der mit dem Degen in der Faust sein Recht
verteidigt und im Grunde nur so lange dient, als er dienen will und muss. Die
Krieger im Mittelalter waren Männer, selbstständig, frei, sie dienten um Lohn
und konnten scheiden von ihren Verpflichtungen, wenn sie kein Geld mehr nahmen.
Diese neuen Armeen, die das Kabinetsinteresse geschaffen hat, sind die wahren
Plagen der Menschheit. Unglückliche bedrängte Zeiten schufen sie. Sie mussten da
sein, um einige neuere Staaten zu erretten, einige Völker von ihren fremden
Unterjochern zu befreien. Damals waren es bewaffnete Völker, bewaffnete Bürger.
Mussten diese Armeen nun bleiben? Musste der Begriff der allgemeinen Volkswehr für
ewige Zeiten festgehalten und nur zum Besten der Kabinete ausgebeutet werden?
Diese Armeen sind die gefährlichsten Störungen unsrer Ordnung und ehe sich nicht
alle Völker Europas darüber verständigen, was Krieger sein sollen, wozu man
Armeen unterhält, ehe nicht, da friedliche Verständigung hierüber kaum möglich
ist, dies ganze furchtbar gespannte Verhältnis einmal von selbst zusammenbricht,
eher kommt nicht Friede Freiheit, Glück auf diese Erde. Ich bin ein Atom in
dieser Betrachtung. Aber den Mut, der Dummheit der Masse gegenüber mit Hussen's
o sancta simplicitas! auf einem Scheiterhaufen immerhin in furchtbarster
Minorität zu stehen, den hab' ich und sehe den Intriguen dieser Menschen, die ihr
Lebtag nur den Weibern, dem Spiel, der Trivialität nachjagten, getrost entgegen.
    Werdeck war von dieser Erklärung so aufgeregt, dass er, obgleich von seiner
Ruhe sprechend, doch mit glühendem Antlitz in dem kleinen Zimmer auf und nieder
ging ...
    Ich fühle, fuhr er, als die Freunde besorgt schwiegen, ich fühle, was an
diesem meinem Aufenthalt unter Ihnen, meine Herren, für meine Position
bedenklich ist! Man hält mir jenen Korpsgeist entgegen, der mir es unbedingt
verbieten solle, Andre aufzusuchen als Meinesgleichen.
    Wie die Jesuiten in Freiburg erzogen werden, chinesisch abgeschlossen, so
sollen wir Offiziere leben! Warum denn? Warum denn mit gebrochenem Herzen unter
der Fahne stehen? Ich bin vom Adel, meine Vorfahren bedeckten die Schlachtfelder
vieler Kampagnen, soll ich die Erbschaft der alten Vorurteile übernehmen und
diese tolle Einbildung meiner Standesgenossen dadurch
