 mir, Louis, man muss das Leben verachten, um dem Leben
eine große Tat zu hinterlassen. Ich würde mich nicht mehr bedenken, mein Haupt
zu opfern, wenn ich glaubte das Rechte getroffen zu haben, um einer göttlichen
Wahrheit in unserm Leben ihre Geltung zu verschaffen.
    Louis war von der Aufregung, in der er seinen Freund und Gönner wiederfand,
erschüttert ... Wie geht es mit Ihren Hoffnungen auf ... Er stockte, das Wort:
die Erbschaft, auszusprechen ... Ich bin im Begriff, sie auch in zweiter Instanz
zu verlieren, sagte Dankmar und habe dann nur noch das Urteil vom Obertribunal
revidiren zu lassen. Meine Hoffnung, der Welt zeigen zu können, wie wir mit
ererbten Rechten verfahren sollen, wird sich nicht erfüllen. Indessen setz' ich
Alles daran, wie ein Flügelross bis an die Stelle zu steigen, wo es immerhin tot
niedersinken möge. Sie können sich denken, welche Entbehrungen ich leide. Die
Kosten des Prozesses wachsen in's Unglaubliche. Das kleine Vermögen, das sich
nun noch von der Mutter aus uns ergeben wird, ging teils im Begräbnis, teils
in der Ordnung ihres Nachlasses schon hin. Den Rest werfen wir in jenen Abgrund,
der uns keine Ergebnisse bringen wird, ich mag auch noch so viel in diesen
Büchern studieren! Jetzt vollends, wo meine Hoffnung, dass mindestens der eine
Koncurrent, der Staat, die Ungehörigkeit seiner Ansprüche einsehen würde, sich
betrogen sieht und durch Egon ein neues Leben in diese Angelegenheit kommt ...
    Durch Egon? Wissen Sie Das ...
    Von ihm selbst.
    Sie sprachen ihn?
    Kürzlich auf der Staatskanzlei, wo ich mir eine Audienz vom Premierminister
erbat. Zum Menschen Egon geh' ich nicht.
    Sie geben ihn auf?
    In meinem Sinne, ja!
    Wie war er gegen Sie? Kalt, zurückhaltend?
    Im Gegenteil; er war offen und suchte die inzwischen durch seine Massnahmen
so weit gerissene Kluft zwischen uns durch entgegenkommende Freundlichkeit zu
verbergen ...
    Sie machten dieselbe Erfahrung wie ich ...
    Mein Freund, sagte Dankmar, geben Sie diese Anknüpfung auf! Ich denke mit
Wehmut zurück, wie ich Egon fand, wie er mir die Freundschaft auf offenen Händen
entgegentrug, wie er mir den Brudernamen aufdrängte. Dennoch muss ich gegen ihn
gerecht sein. Ich entsinne mich, dass wir mehr in ihn hineingelegt haben, als
wozu wir berechtigt waren. Wir hörten ihm zu und fühlten da schon die innere
Trennung. Da wir ihn aber lieb hatten, wollten wir nicht sehen. Nun ist die
chemische Probe gekommen. Wer verdenkt ihm, dass er uns entgegnet: Ihr habt mich
wie Eure Puppe behandelt, mit Euren Ideen mich ausgeputzt! Die
