 über diese Anschuldigung der Frau von Trompetta in Lachen
ausbrechen.
    Nein, fuhr Egon fort, jenes Album war eine Siegel-und Wappensammlung, die
General Voland seit Jahren geordnet hat ...
    Man sieht, dass wir im Frieden leben und uns nur zum Schein manchmal auf den
Krieg berufen!
    Ich mag etwas Ähnliches in meinen Mienen geäußert haben; denn mein Interesse
an diesen bunten Malereien war sehr gering. Die Königin hob viele der in den
Wappen entaltenen Wahlsprüche hervor. Besonders gefielen ihr die
provenzalischen, die General Arnheim gut übersetzen konnte. Ich litt, zu sehen,
welchen Ideen und Beschäftigungen man bei Hofe in dieser Zeit nachgeht. Man
betrachtet Siegel und treibt Wappenkunde! Man lässt sich erzählen, wie die Alten
Glas brannten und wodurch besonders das glühende Rubin der gemalten
Fensterscheiben gewonnen wird! Man sammelt Autographen und liest die Schriften
über »innere Mission«, die zu Hamburg in der »Agentur des rauen Hauses«
erscheinen. Der König, gegängelt von den Frauen, hat die Liebhaberei des
Allwissens und schlägt, da seine eignen großen Kenntnisse doch immer noch nicht
ausreichen, die noch größeren des Generals Voland auf. Ruhig gibt dieser seine
Antworten, immer positiv, immer wie sich von selbst verstehend. Wir andern
Menschen machen doch zuweilen einen Fehler, wir wissen doch zuweilen auch so gut
wie nichts, allein der General ist unerschütterlich. Er ist ein Orakel und die
Königin würde, wenn er behauptete, er zähle wie Graf St.-Germain bereits hundert
Jahre, es unbedingt glauben und diesen Glauben dem Gemahl zu einem
Beichtartikel, zu einer unumstösslichen Tatsache machen. Da ich Beweise in
Händen habe, dass General Voland mit Rafflard und einem andern Krypto-Jesuiten
vertrauten Verkehr getrieben, so zitterte ich vor Ungeduld und hätte diese
Wappen, diese Siegel, diese Autographen, diese Miniaturen vom Tische
hinunterwerfen mögen, allein ich musste mich beherrschen. Die Rede kam auf die
verschiedenen Formen des heiligen Kreuzes. Die Kenntnisse des Generals waren
unerschöpflich. Er beschrieb zu großer Rührung der Altenwyl die Form des
Kreuzes, wie sie von der heiligen Helena aus Jerusalem zuerst überbracht war. Er
verfolgte die Geschichte dieser Formationen mit der Gründlichkeit eines Cuvier,
der über die Erdrinde und ihre Revolutionen spricht. Er nahm einen Bleistift und
malte das Kreuz nach allen seinen abend- und morgenländischen Metamorphosen. Die
Kreuzzüge, die Ritterorden, die Klostergeschichte, bei allen brachte er das ecce
signum in andrer Form und erläuterte die Symbolik, alle Veränderungen und
Ausschmückungen jener ursprünglichen beiden geschälten Holzstämme, an die ich
von Herzen glaube, mit wahrer Salbung und einer Rührung für die Gemeinde, als
wenn es sich um die Leidensgeschichte der Menschheit handelte. Ungeduldig
beschleunigte ich diese Orgelei und sprach plötzlich von dem protestantischen
Johanniterkreuze, das
