 Herzen wohl im
Ullagrunde.
    Ackermann, besonnen und gewiegt wie immer, löste die Spannung mit den
Worten:
    Stoßen Sie an auf das schöne Prinzip, das Egon ausgesprochen hat und in dem
wir uns, wenn auch mit sonst abweichenden Meinungen, gewiss Alle vereinigen
werden: Auf die heiligen, den Menschen wahrhaft freimachenden, seinen Geist
wahrhaft läuternden Pflichten und Rechte der Arbeit!
    Alberti und Heusrück waren es besonders, denen Ackermann sein Glas
entgegenhielt. Sie standen auf und stießen bescheiden an. Auch Leidenfrost
beherrschte sich, zumal da er sah, dass die liebliche Selma bei des Vaters, ihr
selbst überraschend klingenden Worten aufstand, ein Wasserglas ergriff, sich von
dem neben ihr sitzenden Siegbert Wein ausbat und mit anstieß. Sie sagte in
fröhlicher Laune:
    Das gilt auch uns! Auch wir wollen Rechte im Staat, erobert durch unsre
Wirksamkeit in der Küche! Wenn Ihnen aber diese Omelettes ganz besonders
schmecken und ein noch später im dritten Akte unsres Dramas auftretendes
Hühnerragout Ihren Beifall finden wird, so gebührt die Anerkennung für diese
Leistungen in der Kochkunst der List und Verschlagenheit unsres Fränzchens, die
heute Eier und Hühner vom Nachbar nicht ohne Mühe gewonnen hat!
    Selma erzählte hierauf zum Ergötzen der Tafel, wie der Onkel Heunisch und
Franziska vom alten Sandrart diese Vorräte eroberten ...
    Bei Erwähnung des Majors von Werdeck warf Leidenfrost einen bedeutungsvollen
Blick zu Siegbert hinüber. Dieser erriet sogleich, worauf dieser Wink zielte
und fragte Leidenfrost, was es denn sonst für Neuigkeiten über die
gemeinschaftlichen Bekannten gäbe?
    Unter diesen, antwortete Leidenfrost etwas zurückhaltend, hat sich gar
Vielerlei ereignet. Frau von Trompetta, unsre Gönnerin, hat sich entschlossen,
gegen den Hof in eine gewisse, aus unerhörter grenzenloser Liebe schmollende
Opposition zu treten und die Lotterie, in der das Getsemane ausgespielt werden
soll -
    Siegbert erklärte Ackermann und Oleandern, was sie unter dem Getsemane zu
verstehen hätten -
    Soweit auszudehnen, fuhr Leidenfrost fort, dass auch noch andre Gegenstände
dabei zur Verloosung kämen und sich eine Einnahme beschaffen ließe, groß genug,
um ein Kanonenboot für die deutsche Flotte zu kaufen. Sie ist von der
Landesfarbe zu der des gemeinsamen Vaterlandes übergegangen und trägt schwarz,
rot, gold. Dies hat einen Bruch mit Fräulein Wilhelmine von Flottwitz
veranlasst. Ihre Farben, ihre Gesinnungen harmoniren nicht mehr, zur großen
Freude der meisten Gesellschaften, die dadurch vor gewissen makkabäischen
Duetten bewahrt bleiben. Die Flottwitz, die leider täglich blonder wird, setzt
ihre Bekehrungsversuche mit Ihrem Bruder Dankmar fort, der jedoch bei seinen
Studien über römisches und germanisches Erbrecht zu wenig Zeit hat, sich in die
Separatgeschichte der einzelnen Truppenteile unsrer Armeen und die tiefe
Bedeutung der Achselklappen und der Patrontaschen zu verlieren. Der Reubund hat
sich in zwei Fraktionen gespalten. Die eine mit der Bundeskasse
