 passt! Egon ist einer von diesen herzlosen Göttern
der Erde, die Menschenopfer verlangen. Er ist kein Teufel und kein überirdischer
Gott, er ist nicht ganz böse und nicht ganz gut, nur er selbst ist er, der
Schatten seines Schattens, das Echo seines Echos, einer der herzlosen Dämonen,
die Alles wegzuspötteln, wegzulächeln wissen und an Wahrheit erst glauben, wenn
einmal ein betrogenes Weib den Dolch erhebt und sie für die Lüge ihres Geistes
den Stahl einer wirklichen Rache empfinden lässt!
    Ums Himmelswillen, rief Louis lachend, Das ist ja ein Plagiat! Das sind
Worte, die Olga Helenen nachschreibt und Helene hat sie von der Phädra oder
sonst einer wilden Heroine aus dem Téâtre Français!
    Ich würde lachen, wie Sie, Louis, bemerkte Siegbert, wenn nicht diese
Stylübungen eine neue Wendung erhielten durch den Trost, den Helene d'Azimont
finden wird, suchen muss. Leidenfrost schreibt mir, dass der Maler Heinrichson,
Sie kennen den schönen, allen Frauen gefährlichen Mann, nach Rom ginge, wie man
sagte, um sich dort mit Gräfin Helene d'Azimont ein Zusammentreffen zu geben.
    Verleumdung! rief Louis. Befürchten Sie Das nicht! Die Gräfin war
leichtsinnig, als sie keinen Mann gefunden, der der Liebe einer Frau würdig war.
Sie fand aber Egon. Trotz der Schmerzen, die mit diesem ihrem Glücke andern
Menschen bereitet wurden, versichre ich Sie, dass nach der Liebe eines solchen
Mannes Helene nicht im Stande ist, Gefallen zu finden an einem so glatten Dandy,
einer solchen geleckten Eleganz.
    Sie irren sich, Louis! Heinrichson besitzt Esprit. Er weiß mit den Worten
Fangball zu spielen und besitzt jene blasirte Kälte, die, mit Geist und schöner
Figur verbunden, allen Weibern gefällt. Dazu ist er Maler. Ich erkenne an mir
selbst, wieviel wir bei dem Glücke, das wir in der Welt machen - abscheulich;
ich spreche wie ein Don Juan -
    Fahren Sie fort! Ich kenne die Maler. Ich war in Paris täglich mit ihnen in
Verbindung. Ich weiß, was sie ihrer Kunst zu verdanken haben.
    Nun gut. Auch diesem Heinrichson fließen alle Vorteile seines Talentes zu.
dabei kann man nicht umhin, sein Talent anzuerkennen. Er führt einen
geschmeidigen, anmutigen, farbengrellen Pinsel. Es ist Lust und Leben in Dem,
was er auf die Leinwand wirft. Was er auch malt, blenden, fesseln wird es immer.
Befriedigen freilich kann es nur Die, die von Effekten gepackt sein wollen. Ich
weiß nicht, ob Heinrichson in Rom bei den Kunstgenossen Glück machen wird. In
Paris würde er's. Für Rom fürcht' ich, dass man ihn oberflächlich und frivol
nennt. Er wird sich aber Anerkennung verschaffen
