 wo sich leere Remisen und Ställe genug fanden.
    Louis Armand im schwarzen Frack, ein leichtes Tuch nicht steif, sondern
leicht um den Hals geschlagen, in Stiefeln, die er sich selbst geputzt hatte und
unbekümmert mit schwarzen Handschuhen, begegnete dem Wagen und schloss aus seinem
Aussehen auf eine gewähltere Gesellschaft. Er hatte den Vormittag mit Briefen in
die Heimat, an Märtens zugebracht, auch Fränzchen ein paar freundliche Worte
geschrieben, die Heunisch mitnahm, der gekommen war, nochmals den ihm immer mehr
gefallenden Plan zu besprechen, dass seine Nichte zu dem Generalpächter kommen
könnte ... Murray hatte ihm viel Vergnügen gewünscht und ihn getröstet, dass er
sich schon zu unterhalten wissen würde ...
    Wer die Einsamkeit nicht liebt, hatte er gesagt, ist nur ein halber Mensch.
Wer nicht einsam sein kann, ist auch nicht versöhnt mit sich. Die Verbrecher
fürchten sich vor nichts so sehr als vor der Einsamkeit. Es ist ihre
fürchterlichste Strafe. Dennoch muss sie, wie jede Strafe, mäßig angewandt
werden. Einsamkeit soll bessern, nicht abstumpfen. Sie soll anfangs nicht gleich
ganz gegeben werden, sondern nur nach und nach. Dann wird sie zu einer heilenden
Strafe. Man gewinnt die Einsamkeit lieb und spricht mit ihr und versöhnt sich
mit seinem Schatten.
    Am Eingange des Amtshauses begegnete Louis seinem entfernten Verwandten, dem
Vikar Oleander und der Frau Pfarrerin. Jener kam einfach, diese mit ängstlichem,
ärmlichem Putz. Sie grüßte Louis als wär' es Egon selbst gewesen. Die Ärmste war
eine durchweg eingeschüchterte Natur, lebte nur in ihren Kindern und der äußeren
Sorge für ihren Gatten, der ihr auf so überraschende, seltsame Art plötzlich
entschwunden war. Gewiss war es eine Frau, die in ihrer Sphäre erkannt sein
wollte, um bei aller Einfachheit nicht ohne Wert zu erscheinen. Was konnte sie
dafür, dass sie von einem Manne gewählt, als Gattin heimgeführt war und ihm nun
nicht mehr genügte? Unter ihren Kindern fand sie sich in ihrem ewigen
Mutterrechte. Ach und im Grunde, murrte sie denn über ihr Loos? Ließ sie es sich
nicht genügen, so einfach und freudenleer es war? Wenn eine Frau von geringen
Fähigkeiten und ohne äußeres Verdienst durch den Misgriff eines Mannes zu
Rechten kommt, die sie anspruchsvoll geltend zu machen sucht, so wird man dem
Worte: Er hat mich doch nun einmal genommen! wenig Überredung und Bindekraft
beimessen können. Wenn aber ein so zu einer gewissen Haltung gekommenes Wesen
doch wie eine niedrig wachsende Schlingpflanze nur an dem festen Stamme ihres
Rechtes sich hinzieht und nur dahin sich ausdehnt, wo er ihr und ihren Kindern
wärmer von der Sonne beschienen dünkt, wer möchte da nicht duldend herabblicken
und dem bescheidenen Dasein jede Freude wünschen?
    Zu den Gästen
