 zu excentrisch für ein
so junges Ministerium.
    Ackermann zeigte auf eine Stelle der Zeitung, die er Louis hinhielt. Es war
wieder das »Jahrhundert.« Man sah, dass diese Zeitung hier überall auf bestimmte
Veranlassung gehalten wurde.
    Louis las den Tag der Sitzung. Es war einige Tage nach seiner Abreise, dass
Egon die folgenden Worte, die Louis laut vorlas, gesprochen hatte:
    »Denn, meine Herren, woran leidet unsere Zeit? An dem Mangel einer sichern
und festen Lehre über den Staat? Glauben Sie Das nicht! Sie leidet unter dem
Mangel an Geduld und Prüfung. Sie leidet unter dem Mangel der Unterordnung und
des bescheidenen Bewusstseins seiner nächsten Pflichten. Wo Sie hinblicken,
werden Sie arbeitende Köpfe und feiernde Hände finden. Ein Jeder bildet sich
ein, wenn nur die teoretische Formel, das matematische Gesetz unserer Existenz
gefunden wäre, würde diese sich sogleich danach ändern ohne unser Dazutun. Die
Gesellschaft ist, sagt man, krank, meine Herren. Sie ist es, ich leugne es
nicht. Aber die Heilung liegt in uns, nicht in den Geheimmitteln der bisher
gerufenen Ärzte. Woran fehlt es überall? An der wahren Diät der Geister.
Entaltsam, nüchtern, streng gegen sich selbst zu sein, wem fällt Das noch ein?
Luxus ist die Vorstellung des Reichen und des Armen. Die Phantasie gaukelt sich
in den kühnsten Idealen von Erdenglück und suchen will Niemand das Erdenglück,
nur finden wollen es Alle. O, meine Herren, diese Welt kommt mir vor wie das
Spiel der Kinder, wo Alle Feldherren, keiner Soldat sein will. Vergeben Sie mir,
dass ich mich an Sie selbst wende, an Sie, die hier versammelten Gesetzgeber
eines großen Staates. Ich ehre das Recht des Volkes, sich die Bevollmächtigten
seiner Wünsche zu wählen. Aber gestehen Sie, auf jeden von Ihnen kommt, ehe er
gewählt wurde, eine solche Fülle der Aufregung, an Jeden knüpfen sich so viel
Leidenschaften des Ehrgeizes und der Streitsucht, dass man ernstlich für eine
Gesellschaft fürchten muss, die so durchwühlt wird vom Unbestimmtesten, so in
fieberhafter Hast auf Ihre Entscheidungen wartet, so nur vielleicht wartet, bis
ein Jeder von Ihnen sich als Persönlichkeit und Träger des ihm geschenkten
Vertrauens würdig zeigt. Ich ehre Ihr Recht der Prüfung, aber fragen Sie Ihr
innerstes Herz, ob Sie hier Alle auf diesen Sesseln sitzen in dem Bestreben, das
Staatsleben zu vereinfachen und nur die Tatsachen geltend machen zu wollen, die
... (Murren. Unterbrechung.)«
    Lesen Sie nur weiter! sagte Ackermann.
    Louis las, indem sich seine Züge verdüsterten.
    »Eine Stimme. Sie sprechen für den Absolutismus.
    Der Ministerpräsident. Ich nehme das Wort auf, das Sie mir
