 in unserm Leben einmal innehalten, stillstehen, Alles ändern, zurückgehen
können. Was macht uns so unglücklich, was treibt uns so von Extrem zu Extrem,
als diese atemlose Begier, ein Leben so wie es nun einmal, ich möchte sagen in
Schluss gekommen, zu Ende zu bringen? Ja, wir wachsen anfangs empor. Wir kommen
von Jahr zu Jahr vielleicht in günstigere Lagen. Aber wehe uns, wenn wir diesem
Zuge des Schicksals, dieser freundlichen Gunst der Gestirne immer nachgeben! Das
Bett, einmal erweitert zum Genuss, will immer gefüllt sein. Eine Existenz, einmal
bequem und behaglich angelegt, wird unsre Qual, unsre Folter, unsre Verlockung
zur Sünde werden. Der Emporkömmling, der nicht mehr zurückkann, wird fast immer
scheitern. Verwirren sich seine Begriffe von Recht und Tugend nicht in dem
Drange des Erwerbs, so sinkt er erschöpft am Ende seiner Tage zusammen. Der
Zwang, jenes bequeme Bett seiner Existenz immer gleich weit auszufüllen, hat ihm
jede Freude des Lebens geraubt.
    Jetzt versteh' ich, sagte Louis, warum so viele Handwerker in Paris zwanzig
Jahre fleißig sind und dann auf's Land ziehen, um weniger arbeiten und sichrer
genießen zu können.
    Das nenn' ich einen Epikuräismus, antwortete Murray, den ich niemals
empfehlen werde. Man soll nicht früher aufhören zu arbeiten, ehe nicht die Hände
und der Mut erlahmen. Nein! Ich richtete mich in New-York sogleich arm und
bescheiden ein. Die Anmassungen des Barons Grimm lagen hinter mir. Man nannte
mich den Diogenes in der Tonne und wollte Geiz darin finden, dass ich so wenig
ausgab und so viel verdiente -
    Taten Sie Das?
    Ja, mein Freund! In Amerika ist jede praktische Kunstfertigkeit hochgeehrt.
Ich erwarb deshalb viel, weil ich wenig brauchen wollte. Ich habe ein nicht
unansehnliches Vermögen gesammelt, noch reicher aber bin ich an innern
Erfahrungen geworden. Ich verschloss mich auf der neuen Erde den Menschen nicht.
Ich prüfte die Charaktere und unterrichtete mich über die Einrichtungen. Die
Gewissensbisse, die an mir nagten, führten mich auf das Bedürfnis der
Versöhnung. Glauben Sie nicht, dass ich ein bigotter Christ wurde, aber ich
gestehe Ihnen, dass ich eines Mittlers bedurfte. Der Mittler Jesus, den uns das
Christentum bietet, sprach zu mir wie ein verborgener Freund. Er sagte mir
nichts von Dem, was man wohl so gewöhnlich in den Kirchen hört, er sagte mir: Du
bist ein Mensch und hast gesündigt! Deine Bahn war gestört, aber vielleicht
führte dich die Störung auf den rechten Weg, den du nie gefunden hättest, wenn
du ohne Innerlichkeit, als leidlich guter Mensch, so fortgegangen wärest.
    Sie schlossen sich einer Sekte an? fragte Louis,
