 danke Ihnen, mein Freund, für Ihre Vorsicht; denn Sie ahnen wohl, dass
ich mich der dunkelsten Stelle meines Lebens nähere.
    Louis setzte sich und stützte trauernd über Das, was ihm Murray jetzt sagen
wollte, den Kopf auf die Lehne des Kanapés.
    Ja, mein Sohn! fuhr Murray fort. Das waren sechs schlimme Monate, die ich
nicht aus meinem Dasein auslöschen kann! Sie brennen auf der Seele, wie die
Buchstaben, die man dem Leibe einäzt. Oft hab' ich gedacht und damals ganz
gewiss, was ich tat, wäre nur ein Wagnis, kein Verbrechen. Wer hat denn den
Staat berechtigt, sagte ich mir, den Wert der Dinge zu bestimmen? Wer hat ihm
denn nach der sittlichen Ordnung der Dinge allein zugestanden, dass er lügen
darf? Denn Lüge ist es doch, dem Papiere einen Nennwert zu geben, dem nur eine
conventionelle Tatsache als Realisation zum Grunde liegt? Verstehen Sie, wovon
ich rede, Louis?
    O, sagte dieser mit lächelndem Schmerz und großer Aufregung, nur zu gut
verstehe ich! Sie haben Das getan, was der verzweifelnde Arbeiter jeden Tag
tun möchte, wenn er das Werk seines Fleißes vor sich stehen sieht, es zur
Ausstellung in einem Gewölbe trägt, wochen-, monate-, jahrelang wartet, bis es
sich verwertet! Sie haben Das getan, was die Not in verzweifelten Momenten
hundertmal erfunden hat, wo man Stücke Papier nahm und darauf schrieb: Das sind
fünf Sous! Diese nimmt der Bäcker und gibt mir Brot! Mag sie mein Schuldner
einlösen!
    O, mein Freund, unterbrach ihn Murray. Entweihen Sie nicht eine Frage der
Armut und der Arbeit mit meinem frivolen Beginnen! Ich habe Geld gemacht, nur
weil ich es zu machen verstand! Wohl begreif' ich, wovon Sie sprechen. Wohl
versteh' ich die Verzweiflung des Arbeiters, der einen Wert in Händen hat, den
er durch seinen Fleiß erschuf und der den Ausdruck für diesen Wert erst
bekommt, wenn das Werk verkauft wird. Auch ich sage, die Gesellschaft hat hier
ein Recht der Selbsthilfe.
    In der Tat, hat sie Das? fragte Louis begeistert.
    Sie hat es, aber unter gesetzlichen Bedingungen! antwortete Murray. Geld ist
Das, was gilt. Was kann, was soll mehr gelten als die Arbeit? Die Arbeit ist
schon Geld. Die Arbeit, vollendet, ist sogleich Geld. Dass sie warten muss, bis
sie durch Zufall Geld wird, ist der schaudervollste empörendste Mord der
Menschheit, den leider täglich unsere Gesetzgeber verüben. Fluch der
Gesellschaft, die das Geld nur zum Ausdruck des Bedürfnisses und der Fähigkeit,
Bedürfnisse zu befriedigen, gemacht hat! Adam Smit hat den alten Glauben
gestürzt,
