 gebüßt
haben! Sie sind ein Weiser, den ich hoch verehre. Ich will nicht wissen, wie Sie
es geworden sind.
    Wissen Sie wohl, sagte Murray, dass das Bedürfnis der Beichte ein tiefes
Mysterium ist?
    Ich bin Katholik! antwortete Louis.
    Das sagt Alles! Es ist eine der festesten Stützen des alten römischen
Glaubens. Es ist eine Stütze, die sich auf die menschliche Natur gründet. Das
Geheimnis der Beichte ist die Zauberformel, die den Laien an den Priester
bindet, die Bürgschaft einer über alle menschlichen Umgangsformen hinausgehenden
Vertraulichkeit, eine Ehe der Herzen. Das Bedürfnis der Beichte ist der
Wahrheitsdrang des Menschen, ja oft die einzige Ermutigung zur Tugend. Nur wer
sich in einem Andern darlegen kann, in einem Andern ausruhen mag, fühlt wahre
Reue und, ist der Andre edel und gut, ein sanfter Priester auch ohne
Priesterrock und Weihe, wahre Ruhe.
    Ich kenne, sagte Louis, zwei Priester, die würdiger wären als ich, Sie zu
hören.
    Wer wären diese?
    Louis nannte die Brüder Siegbert und Dankmar Wildungen und freute sich
innerlichst, mit kräftiger Betonung dieser Namen gleichsam Zeugnis für den
großen Wert dieser beiden Menschen abzulegen.
    Ich kenne sie nicht, sagte Murray. Ich darf die Kette der guten Menschen,
denen ich mich vertraute, nicht zu weit ausdehnen. Ich darf aber auch nicht
länger schweigen. Ich bedarf einer Unterstützung der letzten Absichten, die mich
noch an dies Leben knüpfen. Ich darf nicht länger so hinschleichen und suchen
und muss es wagen endlich einmal aus mir herauszutreten. Wissen Sie, dass das
Bedürfnis der Beichte mich schon oft trieb, jenem Manne mich anzuvertrauen, der
den Geschwistern Zeck eine Erbschaft aus Amerika brachte?
    Er ist in der Nähe! Vertrauen Sie sich ihm, Murray.
    Wie kommt er zu dem Namen Ackermann?
    Wäre dies nicht sein rechter?
    Murray schwieg und überlegte ... Er gedachte seines eigenen amerikanischen
Namens Morton. Ackermann hatte anders geheißen.
    Nein, nein, sagte er endlich, auch für ihn darf ich nichts als Murray sein.
Auch ihm muss ich verborgen bleiben ... und doch ... und doch ...
    Louis stand auf und ergriff Murray's Hand.
    Sie leiden, sagte er. Hab' ich etwas, das Ihnen würdig scheint, Ihr
Vertrauter zu werden, so mistrauen Sie wenigstens nicht meiner Jugend. Ich kann
verschwiegen sein und verstehe die Irrgänge der Herzen. Wer dem Volke nahe lebt,
lernt mit Schmerz die wunderbaren Verwandtschaften kennen zwischen Gut und Bös,
Mut und Verbrechen, Größe und sittlichem Elend.
    Recht! sagte Murray, als Louis zögerte, die Gegensätze so schnell
auszusprechen. Recht! Ich darf kein Schatten bleiben. Ich muss einen Körper
