 meinen Almosen zu leben,
von den Blicken zu zehren, die ich in Sturmeseile einen Augenblick innehaltend
dir flüchtig zuwerfe? Wärst du selber ehrgeizig, du begnügtest dich mit ihnen.
Aber du bist es nicht. Du willst nur Liebe, das Glück des stillen, ungestörten
Besitzes. Du bist eine Lebensdichterin! Ich bin, wenn ich in allen meinen
Hoffnungen und Entwürfen einst scheitern werde, höchstens so glücklich, der
Gegenstand eines Dichters zu werden, der mich mit einem Gebet für meine Seele,
mit einer Entschuldigung für die Welt, in seiner Darstellung einschaufelt.
    Du hast dies Leiden gefühlt, Helene, und mir gestern, als ich so grausam, so
kalt war, wieder von dem Worte gesprochen, das du schon einmal fallen ließest,
du wolltest mein Weib werden! Helene, dass ein Wort, worin für ein Weib ihre
ganze Kraft, ihre ganze Allmacht liegt, hier wie ein Almosen klang, das nicht
einmal du gabst, sondern du nahmst! Mein Weib! Helene, du mein Weib! Dass ich
verneinend so auffuhr, dass ich so wild stürmte, was war es denn, als dass ich
dich für zu hochhalte, um mit dem Bettelpfennig der Ehe die Schuld abzutragen,
die du an meiner Liebe zu fordern hast! Soll die Berechtigung der Ehe harren und
warten, bis ich geneigt sein kann, gedrungen mich fühle, die starre Form zu
beleben und zu beweisen, dass die Ehe nicht das abfallende Saamenkorn der Blüte,
sondern die Blüte in ihrer vollsten Schöne und reichsten Entfaltung sein soll?
In dem Augenblick, Helene, als du von der Ehe sprachst, da sah ich dich mit
einem Blatt Papier und einer Feder in der Hand. Schreibe, dass du mich lieben
willst oder kraft dieses Blattes mach' ich dir das Leben zur Hölle! So klang es
mir in's Ohr. Musst' ich nicht fliehen?
    Ich bin nun Minister eines großen Staates. Ein Beruf von unsterblicher
Bedeutung! Ich habe volle Gelegenheit, mich zu tummeln und werde wenig Abende -
von Tagen red' ich nicht - wenig Nächte ganz mein nennen können. Träumen,
Helene, wird von dir der erschöpfte Geist. Im Traume von dir werd' ich
Erquickung finden. Diese Furcht vor Dem, was mich binden, mich von meinen
Geisteszielen entfernen könnte, geht so weit, dass ich auch von Louis Armand für
diesen Winter Abschied genommen habe. Er geht nach meinem väterlichen Schloss
Hohenberg.
    Auch die jungen Wildungen, die Beide die Residenz verlassen, lass' ich gern
ziehen. Alle Drei sind mir teuer geworden, aber ihre Idealität und träumerische
Unbestimmteit drückt mich. Sie stellen mir Zumutungen auf den Grund von
Voraussetzungen, in denen sie sich irren. Ich habe
