 oder ein Kummer
drücke ihn, den Niemand erraten könne ...
    Man war bei dem Thema über Helene d'Azimont angekommen und schwieg. Der Weg
zum Palais war noch nicht zurückgelegt. So knüpfte man an den gestrigen Abend an
und Louis Armand sprach nun aus, was er gestern zurückgehalten hatte.
    Also nur der Geist soll triumphiren? sagte er. Nur der Gedanke soll uns frei
machen? Wir sollen uns also die Hand reichen über Länder und Völker hinweg?
Anfangs, meine Freunde, fürchtete ich, die Idee der Ritter vom Geiste würde auf
jene Sekte hinauskommen, die sich in Paris unter dem Namen der neuen Templer
begründet hat. Ich war Zeuge einer Sitzung dieser neuen Templer. Es sind Affen
alter Zeremonien, schwache eitle Kopieen der Freimaurer. Sie scheinen keinen
andern Zweck zu haben, als sich, wie auf der Maskerade, im Kostüme des
Mittelalters zu brüsten, gut zu essen, sich mit großen fabelhaften Titeln zu
beladen, und alle diese Narrheiten entschuldigen und beschönigen sie dann mit
einigen Phrasen über Menschenliebe, Wohltätigkeit, den ewigen Frieden, die
Fraternität der Nationen und die Ehrwürdigkeit aller Religionen! Mit Egon war
ich bei einer dieser Sitzungen zugegen und schon damals sagte er:
    Das Streben, auf die überlieferte Ordnung, in der wir geboren werden,
gleichsam eine neue zu pfropfen, die Ordnung einer eigenen Wahl, ist gewiss
ehrenwert, aber wie müsste es doch großartiger und heroischer ausgeführt werden!
    Sagte er Das? Ich kenne die Statuten dieser neuen Pariser Templer, schaltete
Dankmar ein.
    Egon rief damals aus, fuhr Louis Armand fort: Welche Affen, welche
Komödianten! Ich sehe mit klaren Augen die alten Templer auf dem geweihten Boden
Palästina's mit den Sarazenen im Kampfe, Hugo des Payens schwingt sein tapfres
Schwert, ich sehe Tausende hinsiechen an der Pest, ich sehe den Sturm auf
Ptolomais und den Tod der letzten Ritter, die das Kastell des Tempels
verteidigen, der Grossmeister stirbt an einem vergifteten Pfeile - ich sehe
Jakob von Molay in den Flammen, Hunderte ihm vorangehen, Hunderte folgen und nun
da ... diese Advokaten, Börsenmäkler, Banquiers, Quacksalber, Polizeiagenten,
die setzen sich da in weißen Mänteln mit dem roten Kreuz in befiederten Barets
hin und essen Austern und Pasteten zum Zweck des allgemeinen Weltfriedens, der
Bruderliebe und der Gleichartigkeit aller Religionen ... pfui, welche
Gemeinplätze und welche Possenreisser!
    Siegbert sah unwillkürlich zu Dankmar hinüber und lächelte.
    Beruhige dich, lieber Bruder! erwiderte dieser. Das gemeinschaftliche Essen
ist ausdrücklich aus unsern Statuten verbannt. Die Ritter vom Geiste werden
sogar in Betreff des Trinkens mäßiger sein müssen, als wir es gestern Abend
waren. Ich spüre Kopfweh. Doch glaub' ich fast, es kommt von
