
Nicht mehr beten für die gute Sache sollt Ihr, sondern auch arbeiten für sie!
    Die Ritter vom Geiste streiten, sichtbar und unsichtbar, allein für die
Gesinnung, für nichts also, was sich als positive Schöpfung ankündigt. Dass es
Republikaner, Freigeister, Monarchisten sein sollen, sag' ich nicht, ebensowenig
was sie sonst sind. Sie haben nur zu schwören, dass sie Alles tun werden, was in
ihren Kräften liegt, um z.B. der Monarchie, wo sie herrscht, diejenigen
Bedingungen vorzuschreiben, die es möglich machen, sie der Republik vorzuziehen.
Es liegt in der Natur einer Zeit, die mehr aufzuräumen, als zu bauen hat, dass
ihre Wahrheiten mehr negativ als positiv sind. Die Ritter vom Geiste werden sich
klarer über Das sein, wozu sie sich nicht verwenden lassen, als über Das, was
sie von selber wollen. Die Gewissenscollisionen, der Fluch unsrer Zeit, müssen
seltener werden. Ein Geistesbruder, der in seiner Überzeugung gebunden ist, wird
sich nicht zu Dingen hergeben, die seinem Schwure widersprechen. Er wird für das
Opfer, das er zu bringen hat, vom Orden schadlos gehalten. Die Apostasieen, die
Verfolgungen, in denen die Apostaten gehässiger sind als Alle, werden
gebrandmarkt und seltener werden. Man wird nicht mehr eine Meinung für sein Haus
und eine für den Staat, eine für sein Gewissen und eine für seinen Erwerb haben.
Die Anlehnung an Gleichgesinnte macht stark. Das Vorbild edler Männer reizt zur
Nachfolge und eine unreine, niedrige Seele, die sich des glänzenden Schildes der
hohen und reinen Gesinnung bedient, wird nicht mehr Bestand haben und Verwirrung
unter die Kämpfenden bringen können.
    Wie der Tempel der Menschheit beschaffen sein muss, um Raum für den Glauben
reiner Herzen, für Freiheit und Glück des irdischen Lebens zu gewähren, kann man
mit dem Griffel des Malers nicht anschaulich machen. Aber der Architekt kann uns
schon soviel sagen, er wisse, was Harmonie, was Ebenmass ist, er wisse, was in
den Grundbau und was in die Kuppel gehört. Die freie Presse ist vom Fundamente,
während das Recht der Arbeit in die Kuppel gehört. Nicht was wir bauen, wissen
wir; nur wie wir zu bauen haben, ist uns klar nach ewigen und in der Brust
eingeschriebenen Gesetzen. Der Tugendbund unter Napoleon wurde nicht gestiftet,
um Deutschland diese oder jene Verfassungsform zu geben, nicht um den fremden
Eroberer vom Boden des Vaterlandes zu verjagen, sondern nur um diejenige
Gesinnung zu erzeugen, die von selbst auf die Vaterlandsliebe, die politische
Tugend und jene unausgesprochnen Zwecke führte. Wohlan! Auch die Ritter vom
Geiste kämpfen nur für die endliche Vernichtung des von der Theorie längst
verworfenen und in der Praxis förmlich unvertilgbar scheinenden Alten
