 eines
Kreuzzuges gegen die Feinde dieses Gottestempels. Der Geist als Lehre ist die
Wissenschaft. Der Geist als Glaube ist die Gesinnung. Den Geist, der dem
Verstande entstammt, kann Niemand bannen, Niemand zum einheitlichen Gedanken
eines Bundes machen wollen. Der Geist aber, der dem Herzen entstammt, ist der
Wecker zu den edelsten Verpflichtungen. Die Religion hat nun Formen, um unsre
sittlichen Verpflichtungen, der Staat Formen, um unsre politischen schon von
vornherein gefangen zu nehmen. Die Religion des Geistes sollte keinen solchen
bindenden Cultus haben dürfen? Ich sage, gebt dem Geiste einen Cultus und in
hundert Jahren ist die Welt weiter, als wohin wir sie bei der jetzigen
Verworrenheit der Zustände erst nach einem halben Jahrtausend werden kommen
sehen. Religion, das Bindende, das Gleichgesellende, liegt in unsrer Epoche.
Überall zeigt sich ihr Bedürfnis. Nur befriedigt es nicht auf dem alten Wege!
Nur nicht innerhalb des alten Zwanges und der alten Dogmen! Man binde sich auf
den Glauben unsrer Freiheit, auf den Glauben des Geistes, auf die gleiche
Gesinnung! Aus solcher Grundlage, aus so geackertem, gesäetem Boden muss eine
gute Frucht hervorgehen.
    Ritter vom Geiste sind Mitglieder eines geheimen Bundes, den ich lieber
Brüder vom Geiste nennen würde, wenn ich nicht streitbare gewaffnete Brüder
begehrte. Ich will einen Bund von Männern, die ihr Leben, ihre nächsten und
entfernten Pflichten nur auf ein Ziel beziehen, den endlichen Sieg von
Wahrheiten, die leider noch immer in Frage stehen, noch immer von Willkür
beanstandet werden. Dieser Bund soll den Kampf der Zeit nicht aufheben zu wollen
sich anmassen, wohl aber der Aufgabe vertrauen, diesen Kampf abzukürzen. Man hat
den Reubund lächerlich gefunden. Und doch ist sein Einfluss nicht gering. Er wird
nicht ruhen, bis er mindestens die Wahlen in seinen Händen hat. Lasst uns einen
größeren, einen Treubund stiften dem Geiste! Die Wahrheiten liegen auf der Hand;
aber Tausende entziehen sich ihnen! Die Blätter der Geschichte sind
aufgeschlagen. Man will sie nicht lesen. Wir wissen, wohin die Menschheit
steuert, und stecken falsche Flaggen, falsche Leuchtflammen auf. Oder sollte es
so schwer sein, das Wesen der Gesinnung auf einige große Wahrheiten zu
abstrahiren, die feststehen, wie den Völkern Jahrhunderte lang die Wahrheiten
der Bibel feststanden? Es mögen nur wenige Sätze sein. Aber einige Tausend
Menschen in allen Teilen der Erde auf diese wenigen Sätze in Eid und Pflicht
genommen, macht, dass gewisse Gebäude umstürzen wie Aschenhaufen, zerreißt dichte
Vorhänge wie Spinneweben, lockert die Lüge von selber ohne Handanrühren. Jetzt
gewinnt man plötzlich Menschen, die sonst ruhten, für die Arbeit des Geistes.
Jetzt sieht man Kämpfer, die kämpfen müssen aus Ehrgefühl! Jetzt wird es heißen:
