
Geistlichkeit, der sie damit großen Eintrag taten, zu frei, zu weltlich, zu
weltmännisch und zu vorurteilslos.
    Die Templer wurden vernichtet. Die St.-Johannesritter setzten die Mission
derselben fort. Leider fand man sie nur in der Eroberung des heiligen Grabes, in
dem Kampfe mit den Türken. Dieser zuletzt unwahr gewordene Zweck bot kaum einen
anständigen Deckmantel für den behaglichen Genuss der reichen Güter des Ordens.
Wohlleben, Üppigkeit nahmen überhand. Nur die Malteser behielten ihren Beruf
noch, als bewaffnete Missionaire zu wirken. Der Gedanke, Mittler zu sein
zwischen Kirche, Staat, Gemeinde kam zu keiner Ausbildung mehr. Nur die Vehme,
die heilige, unterirdische, war die letzte Ergänzung des wilden, rechtlosen,
verworrenen damaligen Lebens gewesen. Die Gerichte der roten Erde vertraten die
Gerechtigkeit, die keinen weltlichen Hof mehr zu finden schien. Die geistlichen
Ritterorden verfielen. Sie, die den Tempel von Jerusalem bewachen sollten,
wussten nicht, dass man einen neuen Tempel im eigenen Herzen, einen Tempel der
Menschheit gründen, den ausbauen, den bewachen musste. Sie, die auf Johannes den
Täufer verpflichtet wurden, d.h. auf den Geist, nicht auf den Buchstaben des
Christentumes, sie schoben für den Prediger in der Wüste, der vor Christus
schon christlich dachte und lehrte, Johannes den Jünger unter und kamen nun
immer weiter von ihrem Ursprunge, ihrer ersten Bedeutung ab.
    Die geistlichen Ritterorden, die der Papst immer und immer wieder bis auf
die neuesten Tage erwecken wollte, hatten sich überlebt. In einer neuen höheren
Verklärung mussten sie neu geboren werden und dies geschah für die päpstlichen
Interessen in der geistlichen Ritterschaft des Ignazius von Loyola. Die Jesuiten
sind nicht weltlich, nicht geistlich allein, sie haben die Klöster verlassen und
tummeln sich auf offenem Felde unter den Lebendigen. Es sind die neuen
geistlichen Ritter der römischen Hierarchie. Sie haben Schild und Lanze mit dem
letzten Ritter, dem Don Quixote von la Mancha, in die Raritätenkammer geworfen
und kämpfen mit den Waffen des Geistes für die alte Welt im Gegensatz zur neuen.
Die Philipp's von Frankreich, ohne oder mit der Möglichkeit, die Schönen
beigenannt zu werden, wiederholen sich überall und zu allen Zeiten in Europa. In
Portugal, Frankreich, Russland vertrieb man die Jesuiten als eine geistbewaffnete
Heeresmacht, die im Organismus des modernen, nur dem Fürsten gehörenden Staates
keinen Platz gewinnen dürfe, wie die Templer nicht in Frankreich Platz greifen
sollten. Man würde nur blind urteilen, wenn man glaubte, dass Pombal und
Choiseul die Jesuiten verfolgten aus Begeisterung für das Licht der Aufklärung.
Nein! Die despotischen Alleinherrscher waren es, die ihre Macht nicht geteilt
sehen wollten. Sie wollten sich auch sogar der Freunde entledigen, wenn sie
ihnen
