 Zeit und die Menschen im Allgemeinen zu reden begann,
verstand Hackert deutlich, was verhandelt wurde.
    Dankmar's Rede konnte er sich natürlich nur in den Hauptideen merken.
Wörtlich aber lautete sie, wenn wir wieder zu der Gesellschaft zurückkehren
wollen, wie folgt.
 
                                Zehntes Kapitel
                              Dankmar's Weiherede
Das Erbe der Gebrüder Wildungen, sprach Dankmar, erscheint also im Lichte der
öffentlichen Meinung als ein ungerechter Rückgriff in den Lauf der Zeiten! Und
doch ist es ein sprechender Beweis für den Kampf der Interessen, wie sie sich
befehden, vernichten. Auch wir berufen uns auf dasselbe Siegel, von dem der
Staat und die Kirche, das Allgemeine und die Gemeinde ihre Rechte herschreiben.
Wir zeigen an einem grellen Beispiele, dass sich Gesetze und Rechte wie eine
»ewige Krankheit« forterben.
    Ob wir gewinnen, ob wir verlieren, die Zukunft wird es zeigen. Man wird
Lücken in meinen Beweisführungen entdecken, man wird Papiere finden, man sucht
sie wenigstens, die unsere Ansprüche entkräften sollen. Gesucht nur oder
gefunden, ich schwinge mich auf einen höheren Standpunkt und will in dem
Wettkampfe, den die berechtigten Gewalten aus ererbter Autorität täglich
aufführen, einen neuen Mitstreiter auftreten lassen, eine Wiederherstellung
jenes Ordens, von dem unsre Erbschaft im Grunde herrührt.
    Wenn ich mich in der Geschichte umsehe und eine Macht vermisse, die das
Individuum gegen das Allgemeine in Schutz nimmt, so muss ich beklagen, dass jene
Idee der geistlichen Ritterorden an dem freilich begründeten Mistrauen der
weltlichen und geistlichen Gewalt scheiterte. Philipp der Schöne von Frankreich
ließ Hunderte von Tempelherren foltern, verbrennen. Man sagt, weil er sie um
ihre Schätze beneidete. Treffender ist der Grund, wenn man sagt, weil er eine
Ritterschaft fürchtete, die das heilige Grab nicht mehr behaupten konnte, sich
nur noch auf Rhodus und später Malta hielt und in Frankreich allein über
dreissigtausend in jedem Augenblick marschfertige Reisige zu gebieten hatte.
Neben einer solchen von sich selbst abhängenden Wehrkraft konnte die königliche
Gewalt nicht bestehen. Jeden Wink des Papstes konnte der König gewärtig sein von
diesen mächtigen Tempelherren ausgeführt zu sehen. Aber auch die Geistlichkeit
fürchtete die Tempelherren. Sie hatten im Oriente Duldung gelernt. Statt die
Sarazenen zu vernichten, lernten die Templer das Menschliche, Gleichartige,
Brüderliche an ihnen schätzen. Tempelherr und Emir schlossen Freundschaftsbünde
und sogar die Religionen näherten sich. Diese Ritter hatten die Welt gesehen,
ihr geistliches Kleid moderte nicht mit ihnen in der Klosterzelle, ihr Skapulier
war das Schwert, sie tummelten sich durch das Leben mit Tatkraft und
Selbstgefühl. Frei waren sie von dem Plagedienst der Observanzen. Sie konnten
Messe lesen lassen auch in Gegenden, wo ein Fluch der Kirche die Glocken zu
schwingen verbot und die Sakramente nicht verabreicht wurden. Sie waren auch der
