 weiterfuhr.
    Der Regen hatte in der Tat mit einem einzigen und gewaltig starken Erguss
die Natur erfrischt. Wie erhob sich Baum und Blatt, wie blickte der Grashalm so
gekräftigt zu der Sonne auf, die hier und da schon aus den grauen, sich
zerteilenden Wolken wieder hervorbrach! Auch die Gegend nahm jetzt einen viel
gefälligern Charakter an. Die großen Flächen hörten auf. Der Boden hob sich
wellenförmig, am Rande des Horizonts stiegen schon die blauen Konturen einer
nicht hohen, aber anmutig geformten Bergkette empor. Hier und da verriet sich
ein hinter Büschen geborgenes Dorf durch seine Kirchturmspitze. Der Weg war mit
Obstbäumen besetzt, die Äpfel und Birnen in reicher Ernte versprachen. Auf den
Feldern war fast überall schon die Frucht geborgen, sodass man mit dem Blicke
weithin ausschweifen und die Krümmungen kleiner Bäche verfolgen konnte, die den
Boden fruchtbar bewässerten und die Gegend lebendiger machten.
    Der Fremde betrachtete die Flur mit einem ernsten, sinnenden Blick.
    Es ist meine Heimat, sagte er. Ich bin in diesen Tälern geboren. Früh schon
verließ ich sie und doch kenn' ich jedes Dorf, jede Anhöhe wieder.
    Wie traurig, sagte Dankmar, dass so schöne Besitzungen von einem
leichtsinnigen, weltlustigen Herrn verschleudert wurden! Die Bauern haben sicher
die Vorteile der neuen Zeit hier wahrgenommen, sie haben sicher die Laudemien
und Gefälle abgekauft. Vielleicht ist die Summe, die dadurch auf einem Brete
gezahlt wurde, für den künftigen Unterhalt des Prinzen Egon ausgesetzt, das
Einzige, was ihm sein Vater zu erben mag hinterlassen können. Die übrigen
gewöhnlichen Abgaben von Grund und Boden laufen ohne Zweifel in die Kasse der
Gläubiger, die in den jetzigen schlimmen Zeiten wohl sich vergebens nach einem
reichen Kapitalisten umsehen, der hier das ganze Besitztum mit Activen und
Passiven übernimmt!
    Es ist wenig Heil noch auf Grund und Boden, sagte der Begleiter trübe
gestimmt. Die Masse der Lasten drückt zu sehr. Wo der Staat etwas gewinnen will,
denkt er immer gleich an das Erdreich und Den, der es anbaut. Immer den Zollstab
an die Erde gelegt! Warum nicht an den Handel? Die Kaufleute, die jetzt die Welt
regieren, wissen sich zu schonen. Da sie meist von den Handwerkern leben, so
schützen sie allenfalls diese noch eine Zeitlang und auch mit Recht. Weil aber
dem gefrässigen modernen Staate die Mittel der Existenz immer knapper werden
müssen, so sagen die regierenden Kaufleute und Börsenmenschen: Haltet Euch an
Grund und Boden! Grund und Boden sind ewig! Welche Ungerechtigkeit aber! Es ist
wahr, die alten aristokratischen Regierungen haben es möglich gemacht, dass Grund
und Boden bei den großen Ansprüchen des Fiscus an die Staatskräfte oft
steuerfrei durchschlüpften und meist mit einem blauen Auge davonkamen. Es ist
wahr, dass der
