 dich nicht selber darüber aus, Dankmar? Deine abenteuerliche
Chimäre, die Erbschaft nicht für uns, sondern für den Templer- und
Johanniterorden, der in alter Weise nicht mehr existiert, zu verwenden, musst du
mit eigenen Worten wahrscheinlich machen. Du verstehst zu überreden.
    Natürlich erregte die Erwähnung eines Ordens große Spannung.
    Eh' ich spreche, sagte Dankmar, tu' mir jetzt Jeder von Euch den Gefallen
und sage mir erst, was er für die Pflicht des ehrlichen Mannes in diesen
schwierigen Tagen hält! Da werdet Ihr sehen, dass guter Rat teuer ist und meine
Vorschläge vielleicht noch das Billigste sind. Indessen lass' ich Euch die
Vorhand. Wisst Ihr Besseres, wohlan, so folg' ich Eurem Plane. Soll zugeschlagen
werden? Soll nur zugeschaut werden? Soll die Flamme der Empörung lodern? Soll
das Blut ...
    Bruder! rief Siegbert. Was sprichst du? Sind wir hier sicher?
    Diese Wände sind elephantendick, sagte Leidenfrost. Nur der Akustik dieses
Kreuzes da oben trau' ich nicht ...
    Man blickte hinauf zur Gasflamme.
    Wie ruhig da die Flamme emporzüngelt! sagte Dankmar. Oben könnte uns
höchstens eine Ratte belauschen und käme sie der Öffnung zu nahe, würde sie sich
die Nase verbrennen. Wir haben hier kein andres Ohr als unser eigenes. Siegbert,
sage du, was dir jetzt die Pflicht eines ehrlichen Mannes scheint, aber drücke
dich so aus, dass wir den Arbeitern, dem Handwerker, dem Bauer wie dem Dichter
und Denker davon eine Anweisung zum Handeln, zum Glauben und Hoffen geben
können.
    Es entspann sich zwischen diesen fünf Männern jetzt eine Erörterung von den
eigentümlichsten Folgen und einem Ernste, der uns zur Pflicht macht, jede ihrer
Äußerungen auf das Gewissenhafteste zu berichten.
 
                                 Achtes Kapitel
                               Die neuen Templer
Siegbert zuerst lehnte jede Gewalttätigkeit ab. Er läugnete nicht, dass ihm der
ganze status quo unserer Verfassungen, politisch und gesellschaftlich, misfalle
und das Meiste davon überlebt scheine ... Aber, sagte er: Ich kann mir unser
Leben nur so denken wie einen Garten, den der Gärtner im März zum Frühling und
Sommer vorbereitet. Der Schnee ist geschmolzen, mildere Lüfte wehen aus Westen,
wenn auch noch sturmartig, doch nicht mehr schneidend. Schon bricht neben dem
Laube, das noch nicht ganz von dem letzten Herbste abgefallen ist, der kleine
grüne Keim des neuen Wachstums an den Zweigspitzen der Sträucher und Bäume
hervor. Der Gärtner schont aber weder das Alte, noch das keimende Neue. Er hat
die Säge in der Hand und klettert mitten in die Baumkrone und tilgt, was ihm
überflüssig und der gesunden Triebkraft hinderlich scheint. Da liegt der Boden
voller Äste und nicht bloß voll alter, schon verdorrter, sondern auch
