. Da wären wir ja gerade bei unserm
Gegenstand. Heute wollten wir uns über den Feldzugsplan jedes aufgeklärten und
ehrlichen Mannes in dieser Zeit unterrichten, sogar Verabredungen für irgend
eine gemeinschaftliche Unternehmung treffen und nun ist meine eigene und meines
Bruders persönliche Angelegenheit förmlich ein Symbol der Frage unseres
Jahrhunderts, wie sie einmal ungelöst dasteht. Es ist unwiderleglich; um das
Recht der Person, um die nachwirkende Kraft der Vergangenheit handelt sich
Alles. Ist der Staat etwas Allgemeines, das aus dem Wohle jedes Einzelnen und
dem Wohle von Familien, Geschlechtern, Gruppen und Sippen oder nur aus lauter
sich selbst bestimmenden Individuen zusammengesetzt ist, die nur lose
zusammenhängen und sich nicht gegenseitig bedingen? Wenn mein Prozess unpopulair
ist, wie Sie sagen, Herr Major, und wie ich es selber fühle, seitdem Siegbert's
Takt mich irre macht, so sollte Vieles unpopulair sein, was sich von der
Vergangenheit als reines Personeninteresse forterbt ...
    Die Monarchie und der Adel vor Allem, brach Leidenfrost hervor. Ob der alte
Ritter Wildungen seine Erbschaft antrat oder nicht, bleibt sich doch wohl gleich,
sogut wie Einer zufällig seine Krone verliert und darum ihr Recht nicht
aufzugeben braucht. Beweist man Jemanden, dass ein Recht schädlich ist und der
Verlust seiner Krone ein Glück für die Völker, gut, so ist sein Personenrecht
todtgeschlagen; aber wer beweist Ihnen, dass Ihre Million, die Sie beanspruchen
dürfen, ein Nachteil für den Gegner ist? Ich will gerade, dass dies Ihr
lebendiges Beispiel den Aristokraten und Monarchen zeige, was sie an sich selber
nicht glauben wollen, dass das fortwirkende Recht der Vererbung allerdings seine
Grenzen haben sollte.
    Ah, sagte Louis, da geben Sie doch schon von dem Erbrechte etwas heraus! Sie
wollen nur eine Konsequenz ziehen, nur eine Lektion geben.
    Nur vernünftig, nur poetisch beschränke man das Erbrecht! fuhr Leidenfrost
fort. Es muss durch Ideen, nicht durch willkürliche Taxen oder Klugheitsregeln
beschränkt werden. Wer eine Million erbt, muss dem Staat nachweisen, dass er
diesen oder jenen allgemeinen Gebrauch von seinem Vermögen anstellt. Er behält
dabei nach dem Willen des Erblassers den Genuss. Ruhm aber ist auch Genuss;
Dankbarkeit, Ehre, Achtung ist auch Genuss. Nur nicht das Erbrecht völlig
aufheben! Das hieße jedes Band der Liebe, Zärtlichkeit, der Hoffnung aus dem
Leben nehmen, zu geschweigen, dass uns kein Schneider mehr einen Rock borgen
würde, wenn er immer beim Massnehmen auf unser Gesicht sähe, ob wir nicht etwa
den hippokratischen Zug haben und einen Tag nach dem ersten Sonntag, wo wir den
neuen Rock tragen, seine Rechnung durch den Tod quittiren.
    Man sieht aus den Widersprüchen, in denen Ihre Gedanken noch mit sich selbst
befangen scheinen, lieber Leidenfrost, sagte
