 der Hand des Schöpfers in uns so
geheimnisvoll gepflanzt scheint. Wohin seine Entwickelung ihn führen wird, ob
zum Schlimmen oder zum Guten, wird uns schwer werden, schon vorauszusagen. Wir
sahen ihn in den Beziehungen zu Melanie von einem Sensualismus, der nur durch
den üppigen Ton des Schlurck'schen Hauses und die epikuräische Weltauffassung
des Justizrats entschuldigt werden kann. Melanie war ihm wohl so ziemlich
gleichartig, nur dass sie die Vorzüge einer gefälligeren Bildung vor dem früh
verwahrlosten und durch die Farbe seines Haares entstellten Spielgenossen voraus
hatte. Einen Beweis für ihre wirkliche aus dem Herzen fliessende Güte ist uns
Melanie noch schuldig geblieben. Was sie uns an freundlichen Gesinnungen und
wohlwollenden Gedanken offenbarte, floss aus ihrer Leidenschaft, aber auch diese
kam nicht rein aus dem Herzen, sondern aus der Eitelkeit und dem Drange nach
Auszeichnung ... In Hackert schlummerte der Ehrgeiz. Zu seinem Glücke unbewusst.
Hätte ihn der Gedanke des Ruhms, der Auszeichnung erfasst, er hätte nur auf
schlimme Bahnen geraten können, auf solche Bahnen, an deren Beginn wir ihn eben
jetzt erblicken.
    Mut und Zaghaftigkeit waren in diesem Naturmenschen auf eigene Art
gemischt. Wenn wir sagen, dass etwas Weibliches in ihm lag, eine große
Empfänglichkeit und das Bedürfnis einer Liebe, wie sie ihm nach seinem bessern
Sinne selten zu Teil wurde, so wird man sich der Lösung des psychologischen
Rätsels, das er darbietet, schon eher nähern. Ein Mannweib, wenn es denkbar
wäre, brächte wohl ähnliche Mischungen, die an Tierisches erinnern, an den Mut
und die Furcht des Löwen zugleich, zum Vorschein. Hackert hatte oft großartige
Regungen und verfiel sogleich wieder, bei der geringsten Verletzung, in die
niedrigsten. Wir haben gesehen, wie er der Rache fähig war! Man hatte ihn
furchtbar entwürdigt, hatte ihn durch jene Züchtigung wie ein Tier mit Füßen
getreten, aber statt offen seinem Gegner gegenüber zu treten, tödtete er ihm
durch die raffinirteste Grausamkeit sein Eigentum. Ihn zu verdammen steht Jedem
frei. Wer wird ihn beschönigen wollen? Aber wer wird auch so weichlich gestimmt
sein, nur Die Menschen menschlich zu finden, die nach den Regeln des Katechismus
entweder gut oder böse sind, für den Himmel oder die Hölle passen, nur Liebe
oder Abscheu erregen? Wir Menschen sind nicht so kurz zu nehmen, wie wir in
einem polizeilichen Signalement oder in lebensunwahrer Dichtkunst angegeben
werden. Die Mehrzahl der Lebenden sind Hackerte, Individuen, schwierig
unterzuordnen unsrer Liebe und doch auch nicht hassenswert. Die reine
geläuterte Vortrefflichkeit gibt es ebensowenig, wie es eine abstrakte
Schlechtigkeit nicht so nackt gibt, wie man ihr in den Kriminalgefängnissen zu
begegnen glaubt. Wir sprechen immer von Menschen, die wir lieben und achten, und
immer von Menschen, die wir hassen
