 sagen, begann sie gesammelt und mit einem Sonnenschirme spielend, dass
Ihnen etwas an uns unbegreiflich ist und wir sind in dem gleichen Falle über Sie
und die Ihrigen. Kann man gemeinschaftliche Sache mit Menschen machen, die die
Fackel der Empörung anzündend nur Verwirrung wollen, um sich zu bereichern oder
zu Ehrenstellen aufzuschwingen! Wie schonungslos hat man zerstört! Forschen Sie
den Tonangebern nach! Es sind meist nur ruinirte, zweideutige Mitglieder der
Gesellschaft. Kann man Freiheit da finden, wo nur die Rohheit und
Sittenlosigkeit das Recht bekommt, glänzende Gewänder um sich zu werfen! Sehen
Sie die kecken Gebehrden der verworfensten Individuen, die es jetzt wagen, der
Sitte und dem Anstande Hohn zu sprechen. Kann man wünschen, dass je die
Gesellschaft diesem Pöbel preisgegeben wird, diesem Pöbel, der in meinen Augen
auch unter den Menschen steckt, die äußerlich anständig gehen. Man wühlt nur, um
seiner jämmerlichen, ehrgeizigen und habsüchtigen Leidenschaften willen.
    Die Musik spielte in der Ferne. Die Kinder jagten sich. Die Paare wandelten
auf und ab. Man mied das von seinen Früchten befreite Weinlaubdach ...
    Dankmar, dem diese Unterhaltung von psychologischem Interesse war und dem
die Situation einer Verständigung zwischen zwei so verzweifelten Gegensätzen,
wie sie von ihm und diesem Fräulein vertreten wurden, fesselnd erschien,
erwiderte:
    Sie sind in diesem Augenblicke viel aufrichtiger gegen mich, als Sie es
gegen die Welt sind.
    Wie so? fragte Wilhelmine.
    Der Welt gegenüber stellen Sie die Hingebung an den Thron und die Interessen
der absoluten Monarchie wie etwas Ursprüngliches dar, wie eine Art Religion;
während Sie doch eben verrieten, dass dies System, wie ich es nennen möchte, nur
die Folge einer sehr klug angestellten Reflexion ist.
    Welcher Reflexion?
    Sie fühlen, dass mit der Demokratie in der Art, wie sie Ihnen erschienen,
nicht gut zu leben ist und verwerfen sie deshalb ohne Weiteres, indem Sie eine
Anbetung der Monarchie, eine Vergötterung der Hebel derselben befördern, die das
Übel, das Sie bekämpfen wollen, nur ärger machen wird.
    Man muss dem Throne Kraft geben, den Arm der Fürsten stärken, die
Bürgschaften der Ordnung befestigen!
    Alles Politik! Alles Reflexion! Durchaus keine Religion, durchaus keine
Andacht! rief Dankmar und rückte seiner Gegnerin näher, indem er einige welke
Weinblätter, die auf ihren Nacken gefallen waren, weglas ...
    Nennen Sie es Tugend, wenn man sich dahin stellt, wo man die Gefahren der
Gesellschaft abgewendet sieht! antwortete das Mädchen bestimmt und von Dankmar's
Spiel durchrieselt.
    O nein, Das nenn' ich Instinkt, Selbsterhaltungstrieb, erwiderte Dankmar und
nahm ihr wie spielend den Sonnenschirm aus der Hand. Mein bestes Fräulein, Sie
verteidigen sich nicht gut. Sie müssen so
